Das volle Touristen-Programm

Wir besuchen Urquhart Castle und das Schlachtfeld von Culloden. Beide in den Top 10 der Sehenswürdigkeiten Schottlands. In unsere persönlichen Top 10 würden es beide jedoch nicht schaffen.

Autor
Micha
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    Wir haben ein Luxus-Problem. Wir sind traurig, dass wir nicht länger im Glen Affric bleiben können, weil wir ausnahmsweise für die kommenden Tage schon einen Campingplatz vorgebucht haben. Dieser ist in den Cairngorms, wo wir im vergangenen Jahr die Herbstlandschaft so fantastisch fanden, dass es ein No-Brainer war, hier schon mal einen Platz zu reservieren.

    Seit gestern wäre allerdings das Glen Affric unser Benchmark für großartige schottische Herbstlandschaft. Nun, nächstes Jahr gibt es ja auch wieder einen Herbst…

    Urquhart Castle

    Wir brechen auf und fahren ostwärts. Nach wenigen Kilometern erreichen wir den bekanntesten See Schottlands: Loch Ness. Kaum zu glauben, dass wir ihm auf den bisherigen Touren nie einen Besuch abgestattet haben.

    Allerdings hat das einen Grund. Ich habe ihn nämlich von vor 40 Jahren als absolut langweilig in Erinnerung. Langgestreckt, Bergrücken links, Bergrücken rechts, fertig. Kein Vergleich mit dem Loch Maree, an dem wir erst vorgestern vorbeigefahren sind.

    Was hat der Loch Ness sonst noch zu bieten? Das Seeungeheuer Nessie. Fand ich als Kind superspannend. Heute ist mir das völlig pumpe.

    Und natürlich Urquhart Castle. Mit einer halben Million Besuchern pro Jahr ist es das drittmeistbesuchte Schloss Schottlands nach Stirling und Edinburgh.

    Wir haben aber Glück, dass ich mich vom „Carpark Full“-Schild nicht abschrecken lasse, sondern von der Parkplatzwächterin erklären lasse, wo die Wohnmobile parken dürfen. Zur Not solle ich einfach wiederkommen, dann würde sie mir einen Platz bei den Bussen organisieren. Ob es geholfen hat, dass ich unsere Historic-Scotland-Membership erwähnt habe? Geschadet hat es offenbar nicht.

    Wir sind komplett überfordert von der Menge an Menschen, die hier unterwegs sind. Wenn das schon ein ruhiger Oktober-Wochentag ist, mag man sich gar nicht ausmalen, welche Menschenmassen hier im Hochsommer unterwegs sind.

    Wir warten im Besucherzentrum eine Weile, bis wir in das „Kino“ für eine kurze Einführung in die Geschichte des Schlosses dürfen. Durchaus lohnenswert, denn ich hatte keine Ahnung, dass die letzten protestantischen Bewohner des Schlosses das Castle kurzerhand lieber selbst in die Luft gesprengt haben, bevor es den aufständischen Jakobinern in die Hände fiele.

    Und tatsächlich sieht man einen großen Brocken neben dem Portal des Schlosses liegen, den es bei der Sprengung herausgeschleudert hat.

    Wir fremdeln ein wenig mit dem Castle. Nicht, weil es nicht gut inszeniert wäre, die Größe nicht imponierte oder die Lage am Loch Ness nicht beeindruckend wäre.

    Aber anders als bei den anderen Burgruinen, die wir bisher gesehen haben, fällt es der Fantasie schwer, sich die Szenerie von damals vorzustellen. Wenn gleichzeitig so viele Touristen Selfies machen, sich Influencer an den Mauern inszenieren und gefühlt jeder zweite Sprachfetzen Deutsch ist.

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    Culloden

    Auf der Weiterfahrt nach Inverness merkt man, dass hier nicht nur die Touristen unterwegs sind. Auch den Verkehr einer Großstadt sind wir nicht mehr gewohnt.

    Da wir festgestellt haben, dass es nur ein paar Minuten Umweg sind, wenn wir das Schlachtfeld von Culloden besuchen, machen wir heute auch diesen Stopp an einem touristischen Top-10-Highlight in Schottland.

    Das Schlachtfeld von Culloden am 16. April 1746 war die letzte Feldschlacht auf dem Boden der britischen Hauptinsel. 2000 Clanmitglieder unter dem Kommando von Bonnie Prince Charlie ließen dabei ihr Leben. Zum Vergleich: Lediglich 50 Soldaten der regierungstreuen Armee starben. Nach einer knappen Stunde war das Gemetzel vorbei und der Jakobitenaufstand war niedergeschlagen.

    Auf dem Schlachtfeld markieren rote und blaue Fahnen die jeweiligen Linien der beiden Armeen.

    Für die gefallenen Clanmitglieder gibt es Gedenksteine. Lediglich einer davon ist allerdings abgesperrt.