Das Kingdom of Fife hat uns wirklich mehr als positiv überrascht. Eigentlich war der Plan, diese Ecke hier mal kurz abzufrühstücken, die netten Fischerdörfchen mal gesehen zu haben und dann ab in unseren geliebten Norden zu düsen.
Aber wir sind schon wieder im typischen Annette-und-Micha-Modus: Es ist einfach zu schön, um es nicht zu genießen. Und Genuss haben wir hier bisher wirklich reichlich gehabt.
Verlängerung
Nach reichlich Hin und Her bei den Überlegungen für die kommenden Tage kommen wir zu dem Entschluss, dass uns ein weiterer Tag hier in Elie guttun würde. Die Nacht war ruhig, die Lage ist unspektakulär, aber immer noch wunderschön. Und den Ort haben wir schließlich auch noch nicht so richtig kennengelernt. Und das Wetter ist weiterhin spätsommerlich angenehm. Wir bleiben.
Lady’s Tower
Zur Entspannung soll es heute lediglich gemütliche Spaziergänge geben. Der erste führt uns zum Lady’s Tower, der gestern schon aus der Ferne gegrüßt hat.
Aus der Nähe sieht der Turm noch besser aus als aus der Entfernung. Die Steine des Gemäuers sind sehr fotogen und auch die Lage des Turms ist gut gewählt.



Am besten ist aber vielleicht die Geschichte, die zu diesem Turm erzählt wird. Denn es war wohl der Ort, an dem sich Lady Janet Anstruther im 18. Jahrhundert nach dem Schwimmen wieder aufwärmte. Und wenn die feine Dame sich umgezogen hatte und sich auf den Weg zum Strand machte, wurde die Glocke geläutet, damit die Männer wussten, dass sie jetzt auf gar keinen Fall gucken dürfen. Hat bestimmt super funktioniert! Vor allem, wenn man weiß, dass Lady Janet wohl gerne auch mal unbekleidet in die Wellen gehüpft ist…


Friedliches Panorama
Wir schlendern weiter zum Leuchtturm, den wir gestern nur aus der Ferne gesehen haben. Die Weite des Firth of Forth und der Blick hinauf aufs Meer sorgen für zusätzliche Entspannung.


Wir besuchen anschließend das Örtchen und stellen fest, dass auch Elie einen komplett anderen Charakter als die anderen Dörfer hat. Es lohnt sich wirklich, jedes einzelne zu besuchen.
Von den bisher besuchten Dörfern ist Elie vielleicht das stillste und unauffälligste. Wobei: Der riesige Sandstrand, der hier direkt unterhalb des Ortes bei Ebbe entsteht, ist schon mal genau nach unserem Geschmack.
Shoppen in Elie
Und Leckereien können die hier auch. Es gibt auch hier eine Filiale der Bäckerei von G.H. Barnett, der wir das köstliche Leek‑&-Cheese-Brot in Anstruther zu verdanken haben. Heute wird uns von der superfreundlichen Verkäuferin mit leuchtenden Augen vom Focaccia-Brot vorgeschwärmt. Dafür habe man gerade ebenfalls einen Preis gewonnen. Es sei, als würde man in eine Wolke hineinbeißen. Und es habe sich noch niemand bei ihr für diese Empfehlung beschwert. Im Gegenteil: Es seien schon Kunden zurückgekehrt, um sich für den Tipp zu bedanken. Wir sind überzeugt und nehmen eines fürs Abendessen mit.
Und damit nicht genug: Annette hat die Eisdiele LJ’s entdeckt. Auch hier mit preisgekröntem Eis. Wir können uns kaum entscheiden, denn lecker sieht das alles aus. Vernünftig, wie wir nun mal sind, entscheiden wir uns für lediglich ein Bällchen (wobei Bällchen für die große Portion ein Euphemismus ist). Es ist köstlich cremig und schmeckt absolut preisverdächtig. Die Sorten Galactica Caramel und Scottish Tablet können wir schon mal empfehlen…

Und als Höhepunkt des Tages gönnt sich Annette (vielleicht als Trost für den verpassten Hoodie) noch eine blumenbunte Jacke. Ich sehe uns schon ein Fashion-Shooting am Lady’s Tower machen.

Zunächst aber machen wir Pause im Elie’schen Hyde Park, der zwar nicht so groß ist wie sein berühmter Namensvetter in London, aber dafür eine tolle Aussicht auf die Bucht bietet. Es ist einfach faszinierend zu sehen, wie die Flut eine Sandbank nach der anderen verschlingt. Ähnlich wie an der Gezeiteninsel Îlot Saint-Michel in der Bretagne fiebern wir mit, ob die Spaziergänger noch trockenen Fußes von ihrer Sandbank wegkommen.


Ebbe im Zeitraffer
Abends machen wir uns schick und gehen noch einmal die paar Schritte hinüber ins Dorf. Im Ship Inn kann man auf der Terrasse sitzen und den Blick über die Bucht schweifen lassen. Ideal für einen Drink, um den Abend einzuläuten.



Die Preise sind zwar eher am oberen Ende der Preisspanne, aber die Qualität stimmt dann ebenfalls. Das leckere Elie Ale hat eine cremige Blume wie ein Guinness und schmeckt wunderbar malzig. Noch besser ist aber der Cullen Skink, den wir uns zum Probieren bestellen. Geschmacklich absolut top!


Es ist abends fast noch faszinierender als heute Mittag der Flut zuzusehen.
Denn das Sinken des Meeresspiegels bekommt man nicht so gut mit, weil die Anhaltspunkte fehlen. Aber kaum hat man sich ein paar Minuten unterhalten und lenkt den Blick wieder auf die Bucht, sind mehrere Meter Strand wieder freigelegt und die Vögel genießen ihr Abendessen, welches das Meer ihnen reichhaltig serviert.


Wir genießen noch den Weg zum Aussichtspunkt am Hafenende. Dort hat man in der Tat einen tollen Blick auf den Firth of Forth.

Rechtzeitig vor dem Einsetzen des abendlichen Regens treffen wir wieder am Wohnmobil ein und freuen uns über das leichte Tröpfeln auf dem Womo-Dach. So gemütlich!