Von Anstruther nach Pittenweem

Auf dem Fife Coastal Path erkunden wir die malerischen Küstenorte und genießen besten Kakao, feines Eis und sensationellen Fish ohne Chips.

Autor
Micha
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    Wir hatten an das Wetter in den kommenden Tagen keine großen Erwartungen. Trocken wäre schon schön. Mit mehr hatten wir nicht gerechnet.

    Was wir stattdessen bekommen: Sonne satt! Kaum ein Wölkchen am Himmel. Ideales Wetter für einen Weg auf dem Fife Coastal Path in Richtung Westen.

    Stadtbummel durch Anstruther

    Zunächst gehen wir wieder in Richtung Anstruther. Wir nehmen uns Zeit, auch die kleinen Details am Wegesrand wahrzunehmen. Die vielen bunten Tore und Türen der steinernen Häuser erinnern uns an Frankreich. Genauer gesagt, an die Bretagne. Die Orte hier haben zwar ein unverwechselbares britisches Flair, aber auch eine gewisse französische Leichtigkeit.

    Als wir dann an den Läden vorbeischlendern, fällt dann endgültig der Groschen: Auch hier scheinen leckeres Essen und nette Deko noch mal einen Tacken wichtiger zu sein als im Rest des Landes. Uns gefällt es!

    Cocoa Tree und St. Fillan’s Cave

    Der Coastal Path führt uns über den Golfplatz von Anstruther hinüber ins nächste Dörfchen Pittenweem.

    Der Ort wirkt noch mal deutlich verschlafener und entspannter als das im Vergleich fast schon pulsierende Anstruther.

    Am Hafen trifft man lediglich einen Fischer, der sein Netz instand setzt. Ansonsten ist es hier sehr ruhig.

    Wir suchen das Cocoa Tree Café auf, wo wir uns erst mal mit Crêpes und der wirklich sehr schokoladigen Hot Chocolade stärken. Lecker!

    Aber es gibt noch einen weiteren Grund, warum wir hier sind: Denn hier gibt es den Schlüssel für die St. Fillan’s Cave. Das ist eine Höhle, die sogar als Pilgerziel für Jakobspilger gilt und der das Örtchen seinen Namen verdankt: „Der Ort der Höhle“.

    Die Höhle entpuppt sich dann als Miniatur-Tropfsteinhöhle. Wahrlich nicht sehr groß, aber trotzdem mit ein paar schönen Farbmustern und fotogenen Adern im Stein. Ein Muss ist das nicht, aber für die 2£ Eintritt kann man es einfach mal machen.

    Zauberhaftes Pittenweem

    Danach schlendern wir noch etwas durch den Ort und sind erstaunt, dass bei den Tidal Pools lediglich einer der drei Wohnmobilstellplätze belegt ist. Denn die Lage oberhalb des Ortes mit Blick aufs Meer ist nicht die schlechteste! Und offizielle Stellplätze sind hier rar gesät.

    Der schmale Weg zwischen den Häusern und dem Meer ist absolut sehenswert. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was hier für Szenen bei Sturm und Flut entstehen. Da klopft dann das Meer an die Türen…

    Im Ice Cream Shop stärken wir uns vor dem Rückweg noch mal mit dem leckeren Eis. Annette erinnert die Vielzahl an Süßigkeitendosen an den Naschikönig an der Schlei, den es ja leider nicht mehr gibt.

    Fish ohne Chips

    Bei nun wieder bestem Wetter machen wir uns auf den Rückweg.

    Schon auf dem Hinweg war uns The Wee Chippy aufgefallen. Ein Fish&Chips-Laden, der scheinbar noch mehr Auszeichnungen vorweisen kann als die gestern von uns besuchte Fish Bar. Kann das denn wirklich sein, dass die noch besser sind? Aber auch: Wollen wir ernsthaft den dritten Tag hintereinander Fish&Chips essen?

    Für mich steht das außer Frage, aber Annette macht sich doch so langsam Gedanken, wo sie diese Kalorien alle unterbringen soll. Daher bestellt sie sich brav einen Cullen Skin. Ich bin aber auch ein wenig vernünftig und bestelle mir „nur“ einen Single Smoked Haddock, also ohne Pommes.

    Beides erweist sich als gute Entscheidung. Während Annette ihren leckeren, aber wenig stilvoll in einem Plastikkaffeebecher-to-go servierten Cullen Skink löffelt, falle ich beim Geschmack des geräucherten Fischs fast in Ohnmacht: Das ist einfach unfassbar lecker! Der saftige Fisch, die ultraknusprige Kruste, aber vor allem das Räucheraroma katapultieren mich in den Himmel. Noch auf dem Heimweg gebe ich immer mal wieder ein orgiastisches Schnaufen von mir, wenn ich dem Geschmack des Fischs im Mund nachspüre.

    Ich hätte mir nach dem köstlichen Essen von gestern Abend nicht vorstellen können, dass dieses leckere Essen schon wieder vom Fish&Chips-Thron gestürzt würde. Aber es ist so. Ganz dringende Empfehlung!

    Erster Tidal Pool

    Reichlich groggy kommen wir abends wieder am MoMo an.

    Aber Annette hat noch einen Plan: Unterhalb des Campingplatzes gibt es einen Tidal Pool. Diese natürlichen Gezeitenbecken sind eiskalte Infinite Pools im Meer.

    Für Annette als Wild Swimmerin ist das natürlich ein Muss. Für mich genauso natürlich ein Nicht-Will. Aber Fotos machen kann ich ja.

    Als ich dann die spiegelglatte Wasseroberfläche sehe, sehe ich auch das Potential für ein paar schöne Sonnenuntergangsfotos. Wenn der Himmel auch nur ansatzweise so wie gestern aussieht, dann wird das ziemlich cool.

    Also bringe ich Annette zur wohlverdienten warmen Dusche und schnappe meinerseits das Stativ und die Kamera.

    Allerdings sehen wir auf dem Rückweg schon die Sonne am diesigen Horizont verschwinden. Nicht sehr vielversprechend. Und auch der Blick auf den ansonsten makellos blauen Himmel verheißt keine dramatischen Fotos.

    Ich gehe trotzdem noch mal hinunter zu den Tidal Pools. Man weiß ja nie. Aber heute habe ich die Situation komplett richtig eingeschätzt.

    Es gibt zwar eine herrlich friedliche Abendstimmung, aber aufregende Bilder kann ich nicht machen.

    Aber wenn ich mit diesem Tag nicht trotzdem zufrieden wäre, wäre bei mir wohl etwas falsch verdrahtet. Alleine schon für diesen Tag hat sich unsere erneute Wahl Schottlands als Reiseziel schon wieder gelohnt!

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