Nachdem wir Schottland bereits am Vortag hinter uns gelassen haben, haben wir noch einen ganzen Tag in England, bis uns abends die Fähre von Hull aus nach Hause bringen wird.
Ich mache endlich den Plan wahr, dass wir nach York fahren, was mich schon auf meiner ersten Interrail-Tour vor über 40 Jahren (Mann, bin ich alt!) so begeistert hat. So viel vorab: Es ist ein hervorragender Plan!
Sofort verliebt in York

Bisher war York immer aus unseren Reiseplänen gefallen, weil wir einfach nicht bereit sind, für einen Stadt-Stellplatz 70 £ zu zahlen. Aber meine Recherche hat eine „preiswerte“ Variante für einen Tagesplatz ergeben. Es gibt direkt an der Altstadtmauer am Straßenrand der Foss Islands Road ganz offizielle Tagesparkplätze für Womos. Diese sind mit über 20£ für 4 Stunden zwar auch happig, dafür aber topzentral und ideal für Leute wie uns, die hier nur auf der Durchreise mal reinschnuppern.

Bereits auf den ersten Metern hat York uns für sich eingenommen. Das hat ganz viel britischen Charme, wirkt aber nicht so leicht ranzig wie zuletzt Dumfries, aber auch nicht so übertouristisch wie Gretna Green.
Es sind hier genügend Leute unterwegs, dass man merkt, dass es ein touristisches Ziel ist. Aber eben auch nicht so viele, dass man von den Massen mitgerissen wird. Und schnuckelige Lädchen und vielversprechende Restaurants gibt es reichlich.



Unser Weg führt uns, wie sollte es anders sein, zum York Minster. Ohne Zweifel eine der weltweit schönsten Kirchen. Und für uns jetzt schon ein fester Grund, um noch einmal wiederzukommen. Denn gegen den Besuch der Kirche sprechen heute zwei Dinge: Sie öffnet für die Allgemeinheit wegen der Sonntagsmesse erst später. Und der Eintritt kostet stramme 20 £, für die wir dann gerne auch entspannt so lange bleiben möchten, wie wir wollen. Passt heute nicht.







Denn die Zeit vergeht mit Bummeln, Straßenkünstlern und Essen im polnischen Restaurant Blue Barbakan (Erinnerungen an Masuren werden wach!) einfach viel zu schnell. Schwupps, sind die vier Stunden um.

P&O - nie wieder!
Auch die Strecke nach Hull lässt sich dann ganz entspannt wegfahren. Wir haben sogar noch Zeit für eine kleine Runde mit den Hunden am Park der Humber Bridge, wo vor fast sieben Wochen die Reise ihren Anfang nahm.
Spannend wird es dann am Hafen bei P&O, denn irgendwie ist bei denen alles anders als bei anderen Fährgesellschaften, die wir bisher genutzt haben.
Zunächst denken wir noch: Bald sind wir dran, das geht sicherlich flott. Aber wir finden bis zum Schluss nicht heraus, was dazu führt, dass jedes Fahrzeug 5–10 Minuten am Schalter warten muss, bevor es weiterfahren darf. Supernervig!

An Bord ist es dann durchaus okay. Das Personal ist freundlich, die Kabine sauber, das Abschiedsbier schmeckt, die Bordunterhaltung ist gut, die Überfahrt ruhig. Auch, wenn man den Eindruck hat, dass das Schiff seine besten Jahre schon hinter sich hat, kommen wir wohlbehalten in Rotterdam an.
Aber nachdem wir das Schiff verlassen haben, bekommen wir eine weitere Kostprobe der absolut unterirdischen Organisation bei P&O.
Alle Fahrzeuge werden an lediglich zwei Schaltern abgefertigt. Und erneut beginnt das endlose Warten und man bewegt das Fahrzeug alle paar Minuten nur wenige Meter weiter.

Als wir nach 1 ½ Stunden(!) schließlich kurz vor der Passkontrolle ankommen, löst ein Grenzbeamter das Rätsel auf: Es gibt zwar Spuren für EU-Bürger (die einfach so nach einem Blick in den Pass einreisen dürften) und Nicht-EU-Bürger. Aber P&O kümmere sich nicht um die Organisation. Und so stehen die Briten an beiden Schaltern und halten den Verkehr auf, da nach dem Brexit Fingerabdrücke und gründliche Passkontrollen angesagt sind.
Wieder mal ein Grund mehr, den Brexit als absolut zweitdümmste Entscheidung des Jahrhunderts zu brandmarken. Platz 1 geht natürlich an unsere amerikanischen Freunde, die einen verurteilten Straftäter zum zweiten Mal zum Präsidenten gemacht haben. What could possibly go wrong?
Und jetzt?
Wir bringen auch die restlichen Kilometer nach Hause ohne Probleme hinter uns. Den Sommer werden wir nutzen, um das geschundene Mannimobil auf Vordermann zu bringen und kleinere Touren zu machen, die aber nicht verbloggt werden.
Erst im September soll es dann aber wieder auf längere Fahrt gehen.
Das Reiseziel hat sich schon unterwegs von selbst ergeben, als wir in Kintyre aufs Meer hinausblicken. Annette und ich schauen uns an, strahlen über beide Ohren und jeder weiß, was der andere denkt. Ich spreche es aus: „Besser geht nicht, oder?“ Annette nickt. „Fähre buchen?“ Annette nickt. Gesagt, getan.
Nun fühlt es sich ein wenig albern an, zum dritten Mal hintereinander eine lange Reise ins gleiche Reiseland zu unternehmen.
Denn wir lieben die Abwechslung und vermissen das Kennenlernen von neuen Landschaften. Breitere Straßen. Schönwettergarantie. Keine Gedanken über die nächste Entsorgungsmöglichkeit. Preiswerte Übernachtungsplätze.
Gleichzeitig haben wir beide das nagende Gefühl, dass uns noch etwas fehlt, wenn wir nicht wieder in den Highlands gewesen sind. Mal wieder nicht in einer Whiskydestillerie gewesen. So viele Lieblingsorte nicht erneut besucht haben. Dass es immer noch Lücken auf unserer ganz persönlichen Schottlandkarte gibt, die ganz dringend gefüllt werden wollen. Arran! Orkney! Ostküste! Glen Affric!
Aber vor allem: dass Schottland mittlerweile einen Platz in unserem Herzen einnimmt, der dazu führt, dass es weniger ein Fernweh, sondern mittlerweile schon eine Form von Heimweh ist, wenn wir nicht regelmäßig dorthin fahren würden.
Wir freuen uns daher jetzt schon wie Bolle darauf, einen weiteren Herbst in unserer zweiten Heimat zu verbringen und erneut Stürme und Strände, Herbstfarben und Lichtstimmungen zu erleben, wie es sie eben nur in Schottland gibt!
Wenn ihr die letzten Wochen gerne mitgelesen habt: Freut euch also drauf, wenn ihr hier ab September wieder regelmäßig Updates zu unseren Reisen erhaltet.
Alle anderen müssen wir dann auf 2027 vertrösten. Dann aber garantiert auch wieder mit neuen Reisezielen.
Neuer Reiseführer!
Wobei: Das Heimweh nach der Bretagne wird auch schon wieder größer. Schaut gerne mal in die Berichte von Maria und Wolfgang bei woki-wege.at, dann wisst ihr auch, warum. Lohnt sich!
Und schon mal der Spoiler, dass unser zweiter momoblog-Reiseführer schon in der Mache ist: Natürlich für die Bretagne!
Wer den Reisestart im Herbst nicht verpassen möchte: Kostenlose Benachrichtigungen abonnieren.
Du bist selbst Schottlandfan? Du möchtest dir einen immer weiter wachsenden digitalen Reiseführer für eine Einmalzahlung gönnen? Dann profitierst du hier von unserer momentanen Sommer-Aktion mit 30% Ermäßigung. Diese läuft noch bis zum Beginn der Hauptsaison am 1.7. Die Einträge der letzten Wochen werden in Kürze hinzugefügt, sodass wir knapp an die Zahl von 200 Empfehlungen herankommen werden. Wir finden: weniger als 20 Cent pro Top-Tipp ist kein schlechter Deal.
Kleiner Wink mit dem Zaunpfahl: Wir freuen uns auch, wenn du den Reiseführer schon mal prophylaktisch für eine irgendwann geplante Schottlandreise kaufst (er wird ja nicht schlechter!), um ein Trinkgeld für das tägliche Lesevergnügen dazulassen. Wir sagen Danke!