Mount Stuart

Im Anwesen von Mount Stuart lernen wir, was eine "Führung verkehrt herum" ist. Wir hören von den wunderbaren Führern im Haus eine Menge Informationen, die uns den Ort mit anderen Augen sehen lassen.

Autor
Micha
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    Für unseren letzten Tag auf Bute haben wir uns mit Mount Stuart, dem Sitz der Stuarts von Bute, ein Highlight aus meiner unendlichen Liste von möglichen schottischen Reisezielen aufgehoben. Aber dass es so ein Megakracher wird, haben wir nicht erwartet.

    Beim Einlass frage ich nach, zu welcher Zeit denn die einstündige Führung beginnen würde, da wir dazu online nichts gefunden hatten. Der freundliche Mann an der Kasse erklärt mir, dass diese nur außerhalb der Öffnungszeiten stattfänden. Sie würden zu den regulären Öffnungszeiten aber Führungen „verkehrt herum“ machen. Es gäbe in jedem Raum einen Guide, den man einfach ansprechen solle, wenn man Fragen habe. Interessantes Konzept!

    Mount Stuart

    Garten und Strand

    Da das Haus erst um 11.30 Uhr öffnet, schauen wir uns zunächst mal in den Gärten um. Die haben uns schon bei der Anfahrt aufs weitläufige Gelände beeindruckt.

    Mount Stuart

    Es gibt lange Wege, die aber nicht wie in einem französischen Prunkgarten von Statuen und Blumen gesäumt, oder in einem englischen Garten mit der Nagelschere geschnitten, sondern auf eine genau richtige Weise wild, aber nicht verlottert sind. Gefällt uns schon mal gut.

    Man kommt sogar zum Privatstrand des Anwesens. Hier lassen wir die Hunde mal toben, bevor für den Rest des Parks wieder Leinenpflicht gilt.

    Besonders gut gefallen uns die Baumreihen am Meer, durch die das Sonnenlicht den Weg beleuchtet.

    Mount Stuart
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    Und das schottische Wetter tut sein Übriges, um mit kurzen Schauern das nachfolgende Sonnenlicht umso spektakulärer zu machen.

    Filmkulisse

    Nachdem wir die Hälfte der Gärten erkundet haben, bringen wir die Hunde ins Mannimobil und machen uns an die Besichtigung des Hauses. Angeblich soll man dafür eine Stunde einplanen. Spoiler: Reicht nicht!

    Mount Stuart
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    Schon von außen waren uns kleine, beeindruckende Details aufgefallen. Oder kennt ihr ein Haus, in dem die Regenrinnen mit aufwändig geschmückten Halterungen befestigt sind?

    Mount Stuart

    Aber als wir das Haus dann betreten, wissen wir sofort, dass wir an einem richtig einzigartigen Ort gelandet sind.

    Denn wenn man die Marmorhalle betritt, muss man sich unwillkürlich kneifen. Ist das hier jetzt wirklich alles echt? Die Sternenhimmel-Kuppel? Die dreistöckigen, dreiteiligen, gotischen Bögen?

    Mount Stuart
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    Und auch die schlicht-weiße Kapelle mit dem roten Licht, was durch die Dachfenster den Altarraum beleuchtet, ist ein Hingucker. Pro-Tipp: Am 21.6., zur Sommersonnenwende wird das Kreuz auf dem Altar von der Sonne beleuchtet werden.

    Mount Stuart
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    Großartige Guides

    Woher wir das wissen? Von den unfassbar guten Guides, die es hier gibt. Schon dem Führer in der Marmorhalle in seiner Schottenkaro-Hose könnten wir stundenlang zuhören. Denn er scheint wirklich alles über den Raum, in dem er steht, zu wissen. Und natürlich nicht nur das, sondern auch alles über die Geschichte des Hauses. Die ist denkbar spannend und Stoff für ein Drehbuch. Nachdem das vorige Gebäude bei einem Brand komplett zerstört wurde, baute hier der dritte Marquess von Bute, John Crichton-Stuart, das Haus komplett neu.

    Mount Stuart

    Und man ahnt es schon bei der Halle: Es wurden aber mal so gar keine Kosten und Mühen gescheut! Unter anderem war es das erste Haus in ganz England mit sowohl elektrischem Licht als auch fließend Heiß- und Kaltwasser, sowie einem beheizten Pool. Im späten 19. Jahrhundert absolute Science-Fiction.

    Mount Stuart

    Aber im Gegensatz zu den heutigen Milliardären sei der Marquess ein Mann gewesen, der sich auch für Bildung und Frauenrechte eingesetzt habe.

    Vielleicht das beeindruckendste Zeugnis für diese Nicht-Abgehobenheit ist das Engagement der Familie im 1. Weltkrieg. Damals stellte man im Jahr 1915 das komplette Haus als Krankenstation für Kriegsversehrte zur Verfügung. Über 2000 Patienten seien dort untergebracht worden. Wie absurd muss es sich für diese angefühlt haben, in der Marmorhalle zu liegen? Man kann jeden verstehen, der bei diesem Anblick sicher gewesen sein muss, dass er das Zeitliche gesegnet hat. Es ist wirklich ein unvorstellbarer Ort, wenn man ihn nicht selbst gesehen hat.

    Mount Stuart
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    Wir schlendern und staunen. Sprechen mit den anderen Guides, die ebenso hinreißend warmherzig und erzählfreudig sind. Lernen, dass der Drawing-Room nichts mit Malerei zu tun hat, sondern ein With-drawing (Rückzugs)-Room war, der für die Frauen vorgesehen war, während die Männer im Smoking-Room zu finden waren. Oder dass der Wintergarten im 2. Stock in der Krankenhaus-Zeit der OP war.

    Mount Stuart
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    Wir sind komplett fasziniert von der Geschichte des Hauses und verlassen es erst zur Schließung um 15 Uhr.

    Mount Stuart
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    Nicht, ohne uns noch mal bei den tollen Führern zu bedanken. Und zu erfahren, dass es auch eine zweistündige Tour gebe, wo man alle vier Stockwerke besichtigen könne und auch die verschlossenen Räume im 2. Stock sehen könnte. Falls ihr von den Bildern und unserer Schilderung ebenfalls angetan seid, hier der Tipp: Könnt ihr (bei ordentlichen Englischkenntnissen) sicherlich unbesehen buchen! Wir haben nämlich die feste Absicht, dies beim nächsten Mal nachzuholen und dann auch den Rest des Anwesens zu erkunden. Ein Tag ist nämlich schlicht und einfach zu wenig.

    Mount Stuart
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    An der Seidentapete nagt der Zahn der Zeit
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    Glendaruel

    Für dieses Mal soll es das dann mit der Isle of Bute für uns gewesen sein. Nach unserem eher suboptimalen Start auf der Insel sind wir uns jetzt sicher, dass wir auch hierhin sehr gerne noch einmal wiederkehren möchten.

    Wir verlassen die Insel im Nordosten. Dort bringt uns in Rhubodach eine 5-Minuten-Fähre zurück aufs Festland der Cowal-Halbinsel.

    Fähre Rhubodach

    Im 15 Minuten entfernten Glendaruel haben wir einen Campingplatz gefunden, der sich genau nach dem anhört, was wir gerade benötigen. Einen ruhigen Platz zum Ausspannen und Ver- und Entsorgen.

    Und genau den finden wir dort dann auch vor. Eine gepflegte und noch absolut in der Vorsaison schlummernde Anlage in the middle of nowhere.

    Glendaruel

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