Von der herrlichen Lichtstimmung des Vorabends ist nicht viel übrig geblieben. Unser Tag beginnt trüb und grau. Also ideal, um ein wenig Strecke zu machen. Wir haben uns den Weg zur Heimfähre nach Hull in sehr bekömmliche Etappen aufgeteilt, sodass es keinesfalls in Stress ausarten sollte.
Der Weg nach Dumfries
Schon bald merken wir, dass wir uns im Umfeld einer Großstadt befinden. Rund um Glasgow ist ordentlich Verkehr. Der fehlende rechte Außenspiegel erweist sich jetzt als wirkliches Handicap.
Wenn man im Linksverkehr auf eine Autobahn auffährt, vermisst man den Spiegel schon ordentlich. Ohne die 360°-Kamera hätte ich mich da sehr unwohl gefühlt. Mit der Kamera kann ich auf dem geteilten Bildschirm sowohl nach hinten als auch zur Seite sehen. Rein technisch ist das eine gute Lösung. Aber ich merke auch, dass ein Blick auf einen Bildschirm einfach einen „echten“ Spiegelblick nicht ganz ersetzt.
Wie gut, dass die Schotten immer frühzeitig die Spur wechseln, wenn jemand auffährt. Und auch sonst fällt mir mal wieder auf, wie entspannt das alles im Vergleich zu deutschen Autobahnen abläuft.
Entsprechend entspannt kommen wir im Zwischenziel Dumfries an.
Schlemmermenü
Dort habe ich für uns zum Lunch einen Tisch im Globe Inn reserviert. Die werben zum einen damit, dass es das Lieblingsrestaurant von Robert Burns, dem schottischen Nationaldichter gewesen sein soll. Der Urigkeitsfaktor sollte also schon mal hoch sein.
Zum anderen aber stehen sie im Michelin-Guide und gelten als heißer Anwärter auf einen Stern. Es dürfte also etwas besonderes sein. Und genau so wird es dann auch.
Unser erster Eindruck ist allerdings etwas verwirrt. Denn von unserem Parkplatz aus kommen wir quasi durch die Hintertür. Und die wirkt, wie der ganze Ort Dumfries, als hätte er die beste Zeit schon etwas länger hinter sich. Es wirkt alles etwas gammelig.

Als wir das Globe Inn betreten, haben wir eher den Eindruck, einen alten Pub zu betreten. Aber dass man sich unter den niedrigen Türdurchgängen hindurchbückt ist eher authentische Atmosphäre. Man glaubt sofort, dass vor ein paar hundert Jahren Robert Burns hier gesessen haben mag.
Wir gönnen uns das 3-Gänge-Menü – schließlich ist es meine Geburtstagswoche und die will gefeiert werden!
Das, was dann serviert wird, ist immer ein Hingucker und wird von den Kellnern auch genauestens in seinen Einzelbestandteilen vorgestellt. Und für alles gilt: Schmeckt so gut, wie es aussieht. Aber schaut selbst:






Am Ende verlassen wir das Globe Inn zufrieden und genau richtig gesättigt und machen noch mal den kurzen Check, wie denn die Vorderseite des Eingangs aussieht. Ich sag mal so: Da ist noch Luft nach oben. Wir sparen uns daher auch einen weiteren Stadtbesuch und fahren weiter.

Caerlaverock Camping
Das ist dann auch genau die richtige Entscheidung. Denn das Wetter wird freundlicher und wir steuern schnurstracks den Campingplatz beim Caerlaverock Castle an.
Als wir ankommen, sind wir erstaunt: Alle vorgesehenen fünf Plätze sind schon belegt! Aber man kann sich kreativ noch etwas dazustellen, ohne dass es eng wird. Denken wir zumindest. Am Ende des Tages werden es aber 11 Fahrzeuge sein, die dort übernachten. Und das ist dann schon kuschelig.
Wir haben den Hunden versprochen, dass wir erst mal mit ihnen einen ordentlichen Spaziergang machen, da sie in Dumfries so brav auf uns gewartet haben.
Aus dem Spaziergang wird dann ein etwas längerer Weg entlang der Salzwiesen des Vogelschutzgebietes. Das Licht ist herrlich und gleichzeitig etwas bedrohlich, da man immer damit rechnen muss, dass die nächste Regenfront uns dann erwischen könnte.

Uns erinnert die Landschaft ein wenig an den schönen Platz vor der Bücherstadt zu Beginn der Reise. Und damit schließt sich passenderweise dann auch ein Kreis. Schön.
