An dieser Stelle wollen wir mal kurz Danke sagen an alle Vorbesteller unseres Schottland-Reiseführers: Ihr seid die Besten! Denn wir halten es nicht für selbstverständlich, vorab für ein Produkt zu zahlen, das man noch nicht gesehen, geschweige denn genutzt hat.
Wir können nur versprechen, dass wir ganz viel Energie und Zeit investiert haben, damit unser Schottlandführer so gut wird, dass wir ihn selbst gerne nutzen würden.
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Große Pläne
Wir haben gestern bereits angedeutet, dass es im MoMo Pläne gibt, wie die Reise weitergehen soll. Denn es ist der bestmögliche Fall eingetreten: Die kommende Woche soll wettermäßig bombe werden! Egal, welchen Wetterbericht man auswählt, egal welchen Ort man auswählt: In unserer Ecke der Welt ist Frühling und Sonnenschein angesagt.
Als es an die Reiseplanung für diesen Frühjahrstripp ging, hatte ich kurzfristig die Idee, die Reise dreizuteilen: Schottland, Irland, Bretagne. Unsere drei Lieblingsregionen auf einer Reise? Ein Träumchen!
Aber schon im Vorfeld wurde klar: Das wird nichts. Denn alle Hundekabinen auf den Fähren von Irland in die Bretagne waren schnell ausgebucht und nicht mehr verfügbar.
Wir sind dafür mittlerweile dankbar. Denn es wäre ein ständiges „Bald ist schon das Nächste dran“ geworden, wo man sich gar nicht mehr auf einen Ort einlassen kann, weil immer bereits der nächste lockt und Strecke gemacht werden muss. Passt so gar nicht zu unserem Reiseverhalten.
Aaaaaber:
So ein Abstecher nach Irland? In unser geliebtes County Donegal? Das wäre doch eine Möglichkeit! Die zweistündige Fährverbindung von Cairnryan aus haben wir früher schon gerne genutzt.
Also kurz das Wetter in Irland überprüft: Auch dort gibt es nichts zu meckern.
Die kürzeste Verbindung ins nordirische Larne wird von P&O Ferries bedient. Entpuppt sich dann aber als teurer als die Verbindung mit Stenaline nach Belfast. Da wissen wir schnell, was wir wählen. Noch dazu, weil eine Onlinebuchung bei P&O wirklich kein Vergnügen ist.
Irland, wir kommen!
Wir überlegen hin, wir überlegen her. Sollen wir das wirklich tun? Verpassen wir nicht entschieden zu viel von dem, was wir in Schottland sehen wollten?
Aber die Argumente auf der anderen Seite sind dann doch übermächtig:
Irland gehört zu unseren absoluten Lieblingsländern und lediglich die umständliche (und teure) Anreise lässt es in der Reiseplanung beständig nach hinten rücken. Vor allem, wenn man dazu noch viel schneller in Schottland sein kann.
Aber unser letzter Besuch im Jahr 2022 ist schon wieder viel zu lange her und wir lieben die grandiose Landschaft des irischen Nordens so sehr wie die schottische Westküste.
Nach einer Nacht darüber schlafen sind wir uns sicher: Wir wollen auf die Grüne Insel! Die Fähre für Dienstag wird gebucht (Dienstag bis Donnerstag sind die Tarife deutlich günstiger) und wir blicken uns ungläubig an: Noch zweimal schlafen, dann sind wir wieder in Irland!
Slow Travel
Fast schon gelöst brechen wir entspannt in den Tag auf. Jetzt, wo die wichtige Entscheidung getroffen ist, möchten wir noch ein wenig von Galloway erkunden. Aber nicht hektisch, sondern gemütlich.
Unser Ziel ist die Whithorn Priory, eine Ruine mit dem Latinus Stone, dem ältesten Zeichen des schottischen Christentums.
Wir genießen die Fahrt durch knallig gelbe Ginsterlandschaften und Meeresaussichten.

Als wir an einem Kreisverkehr in Richtung Wigtown abbiegen, erzähle ich Annette, dass dies die Bücherstadt Schottlands ist. Interessiert beginnt sie während der Fahrt zu recherchieren. Logischerweise sind aber am Sonntag alle Buchhandlungen geschlossen. Aber am Hafen gäbe es einen Platz, an dem wir auch noch mal die Hunde laufen lassen könnten. Den steuern wir also einfach mal an. Und landen einen Volltreffer.
Wigtown Harbour
Schon als wir die letzten Meter in Richtung Hafen fahren, wissen wir, dass das hier gut wird. Denn der Hafen sieht mehr wie ein Naturschutzgebiet als wie ein Industriehafen aus. Genauer gesagt ist es ein Hafen ganz ohne Schiffe, dafür aber mit viel Platz und einer tollen Aussicht auf die Gezeitenlandschaft, die vor uns liegt.


Es ist so wunderbar friedlich hier, dass uns eines schnell klar wird: Hier werden wir eine größere Pause einlegen, um alles zu erfassen.
Und nachdem wir die größere Pause ausgiebig zelebriert haben, steht unsere Entscheidung auch schon fest: Entschleunigung. An so einem friedlichen Ort bei bestem Wetter können wir gerne einfach mal bleiben. Die anderen Sehenswürdigkeiten laufen uns nicht weg.
Eindrucksvolle Gezeiten
Bei der Anfahrt warnt ein Schild, dass der Platz bei Hochwasser schon mal überflutet werden könne. Ein Paddler, mit dem ich mich unterhalte, gibt aber Entwarnung. Das sei nur bei extremer Tide und gleichzeitigem starken Südwestwind so.
Wir prüfen trotzdem mal, ob es uns am Scheitelpunkt der Flut unheimlich würde. Aber das passt so.
Krass ist dann wieder mal die Erfahrung des Tidenhubs. Gegen Abend sieht es hier aus wie eine Matschrinne. Man kann sich jetzt genauso wenig vorstellen, dass die Landschaft sich hier randvoll mit Wasser füllt, wie man sich am Mittag vorstellen konnte, dass das Wasser verschwindet.


So friedlich
Und es bleibt auch bis zum Ende des Tages ruhig hier. Es kommen und gehen ein paar Dogwalker und das Aufregendste ist ein Auto, aus dem „You spin me round“ (wer kennt es noch aus den 80ern?) dröhnt. Kommt einem an diesem Ort gleich doppelt bescheuert vor. Hier dreht sich alles eher langsamer…

Abends betrachten wir die warmen Sonnenuntergangsfarben, die noch nicht ganz zu den kühlen Temperaturen passen.

Wir gehen mit den Hunden noch einmal zur Vogelbeobachtungsstation und Annette entdeckt sogar noch einen Otter, der gerade aus unserem Blick verschwindet.
Ein Naturparadies ist das hier!
