Die Nacht war genauso friedlich wie der Tag. Morgens erwachen wir bei strahlendem Sonnenschein, wie er auch für die restliche Woche mehr oder weniger angekündigt ist. Herrlich!
Ich schlüpfe schnell in ein paar warme Klamotten und mache mich auf den Weg zur Vogelbeoachtungsstation. Vielleicht habe ich ja Glück und sehe noch mal einen Otter oder ein paar außergewöhnliche Vögel.
Aber bis auf die putzigen Uferschwalben ist wenig bis gar nichts los. Deren englischer Name „Sand Martin“ klingt hübscher, erinnert mich aber auch eher an Laternenumzüge im November.
Die Bücherstadt
Eigentlich waren wir ja nach Wigtown gefahren, weil wir neugierig auf die schottische Bücherstadt waren. Gefühlt jedes zweite Geschäft hier ist eine Buchhandlung.
Heute, am Montag, ist es dann soweit. Wir erkunden Wigtown, was sehr überschaubar angelegt ist. Es gibt ein Rathaus mit einem langgestreckten Park davor. Links und rechts davon haben sich an der Main Street die Geschäfte versammelt.


Es ist dann ein großes Vergnügen, sich durch die Buchhandlungen zu stöbern. Eine ist skurriler als die andere! Sie sind eine Mischung aus Buchladen, Antiquariat und Zeitmaschine. Jede von ihnen scheint auf eine Weise den Charakter des Besitzers zu spiegeln.



Das Besondere sind die teilweise unendlichen Hinterzimmer, von denen es immer noch eins mehr zu geben scheint, als man vermutet. Sehenswert sind alle, weil sie teilweise sehr liebevoll ausgestattet sind.


Unsere Favoriten sind das New Chapter, wo es eine Nische mit kuriosen Zetteln gibt, die sich in gebrauchten Büchern befanden, und The Book Shop, wo sich die kuriosesten Zusammenstellungen finden lassen. Solltet ihr also eine Uraltausgabe des „Faust“ suchen, eine Masturbationsanleitung oder einen Raum zum Thema Eisenbahnen: Hier werdet ihr fündig.




All diese Eindrücke verarbeiten wir dann stilecht im Reading Lasses, dem einzigen Frauenbuchladen im UK. Aber zugegeben, wir sind nicht aus feministischen Gründen hier. Sondern weil es saugemütlich ist und es eine geradezu überwältigende Auswahl an Kuchen und Gebäck gibt. Die sind dann so mächtig (und lecker!), dass man sich die zweite Portion mit Blick auf die schlanke Linie lieber verkneift.

Der Zauberwald
Wir haben den Hunden gegenüber ein schlechtes Gewissen. Denn die haben unsere Bookshop-Erkundungen im Mannimobil verbracht. Sie sollen jetzt endlich auch mal zu ihrem Recht kommen.
Annette zaubert mal wieder einen Volltreffer bei ihrer Gassirundensuche. Der Kilsture Forest ein paar Kilometer südlich von Wigtown erfüllt alle Anforderungen, die wir haben: Einfaches Abstellen des MoMos ist problemlos möglich. Es gibt verschiedene Runden, die man dort machen kann. Und es ist nicht viel los, sodass man außer ein paar Dogwalkern niemanden trifft. Genau richtig, um den Zauber des Wäldchens zu genießen.

Denn wir sind offenkundig genau zur richtigen Zeit hier. Vielleicht sogar noch ein, zwei Wochen zu früh. Aber hier zeigen sich schon reichlich Bluebells und färben den Waldboden blau-lila. Zauberhaft!

Der geneigte Leser erinnert sich vielleicht noch, dass wir gestern die Absicht hatten, die Whithorn Priory zu besuchen. Für uns stellt sich nun die Gretchenfrage, ob wir nur einen kurzen Weg machen oder ob wir uns das Priorat für irgendwann anders aufheben. Wenn ihr schon länger mitlest, ahnt ihr schon, wie unsere Entscheidung ausfällt, oder?
Am Ende sind alle zufrieden. Annette und Micha sind ordentlich waldgebadet und auch die Hunde haben ihren Spaß beim Erschnuppern der Umgebung.


Killantringan Lighthouse
Auch unser nächstes Reiseziel müssen wir nun in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit abändern. Das Mull of Galloway Lighthouse am südlichsten Punkt Schottlands muss noch eine Weile auf uns warten. Wir haben es schon mal für die Übernachtung nach der Rückkehr aus Irland vorgemerkt.
Wie gut, dass es eine ähnlich schöne Alternative gibt. Noch dazu eine, die näher am Fährhafen Cairnryan liegt, sodass wir am nächsten Morgen unsere Mittagsfähre entspannt erreichen können.
Die Anfahrt ist dann ein klein wenig aufregend. Erster Single Track und teilweise mit ordentlich Gefälle. Annette darf mal wieder den Knopf bedienen und atmet sichtlich auf, als wir nur noch im Schritttempo gemütlich den Berg hinuntertuckern.
Erleichtert stellen wir fest, dass wir das einzige Womo am Besucherparkplatz sind und suchen uns den besten Platz aus. Die Aussicht wäre von allen möglichen Plätzen her toll, aber die Schräge ist teilweise schon ganz ordentlich. Wir bekommen sie aber mit den Hubstützen ausgeglichen.


Nun können wir uns ganz der tollen Aussicht hingeben. Die irische Küste sieht zum Rüberspucken nah aus! Und mit weniger Schritten ist auch der Leuchtturm erreicht, den man vom Parkplatz aus so gerade nicht sehen kann.

Wir spekulieren auf einen tollen Sonnenuntergang, falls sich die Wolkenwand auf der irischen Seite noch etwas verzieht. Aber sie bleibt hartnäckig an der nördlichen Ecke der Grünen Insel hängen, sodass nur ein schmaler Spalt an Sonnenschein unter den Wolken hervorlugt.


Das kann uns heute aber nicht schocken. Es wird noch genügend Gelegenheiten für tolle Sonnenuntergänge geben. Ab morgen dann in Irland!