Der Tag der Überfahrt ist gekommen. Da wir die Mittagsfähre gebucht haben, können wir ganz entspannt in den Tag starten. Leider etwas zu entspannt. Denn der Tag beginnt mit strahlendem Sonnenschein. Mein Plan ist es, möglichst lange zu warten, damit auch der Strand unter uns noch beleuchtet wird.
Ich lasse noch die Hunde ihre Geschäfte erledigen und will anschließend fotografieren. Aber just in dem Moment zieht die Wolkenwand, die ich gekonnt ignoriert habe, vor die Sonne und das Licht verschwindet. Fotografenschicksal…
Entsorgung am Flugplatz
Aber egal, wir brechen trotzdem fröhlich auf: Irland ruft! Zuvor möchten wir noch einmal ver- und entsorgen, da wir dies in Irland als nicht immer unkompliziert in Erinnerung haben.
Annette hat einen Stellplatz nördlich von Stranraer gefunden, auf dem man gegen 5 £ Obolus auch Ver- und Entsorgung nutzen kann. Es ist wirklich etwas besonderes, denn der Platz liegt auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens. Die Wege sind lang und die einzelnen Parzellen riesig. Das Ganze ist mit seinem Betonplattencharme nicht besonders schön anzusehen, aber die Aussicht auf die Bucht und der enorme Platz entschädigen einen ordentlich, wenn man dort stehen mag.

Als wir die schräge Abfahrt von der Straße sehen, sind wir nicht sicher, ob das mit unserem Überhang hinten passt. Vor allem, weil wir zuvor bei Park4night gelesen haben, dass es ein paar Meter weiter eine bessere Zufahrt geben soll. Diese entpuppt sich dann auch als Alpa-kompatibel, auch wenn wir zunächst unsicher sind, ob wir wirklich den richtigen Weg gewählt haben. Aber alles passt.

Luxuriöse Überfahrt
Wir kommen pünktlich am Fährhafen an und dürfen uns in die Warteschlange einreihen. Die ganze Prozedur ist angenehm unkompliziert, fast schon herzlich. Wir erinnern uns noch einmal kopfschüttelnd an die Unfreundlichkeit der niederländischen P&O-Mitarbeiterin.
Die Stena Superfast ist dann eine top moderne Fähre, auf der die Überfahrt ein Vergnügen ist. Wir haben aber auch wirklich eine Glückssträhne. Auch diese Überfahrt ist mit ruhiger See und Sonnenschein eine kleine Kreuzfahrt.
Einziges skurriles Manko: Die Hunde müssen im Auto bleiben. Es gibt zwar eine Pet Lounge für Haustiere, aber in der müssen die Tiere in einem Behältnis bleiben. Ich frage noch mal nach, ob es für zwei well-behaved dogs eine Ausnahme geben könne, erhalte aber von der Aufseherin, die es dort gibt, nur die schulterzuckende Antwort „Die Regels sind die Regels“. Ich wende mich gerade ab, als zwei andere Fahrgäste ankommen, die ihren Hund auf dem Arm tragen. Ohne Box. Sie werden freundlich willkommen geheißen. Anscheinend muss man nur schmerzlos genug sein und es drauf ankommen lassen…
An der Reling stehend beobachten wir, wie das Schiff im Hafen von Belfast einfährt. Die Zeit ist im Nu vergangen!

Tankdummheit
In Nordirland müssen wir dann noch einmal den Tank auffüllen. Praktischerweise finde ich in Randalstown auch gleich die Möglichkeit, unsere Gasvorräte aufzufüllen. Die kalten Nächte haben ganz schön am Gastank geknabbert!
Sowohl Gas- als auch Dieseltanks werden gefüllt und bestens vorbereitet fahren wir hinüber in die Republik Irland. Die Grenze ist dann nur an der plötzlich anderen Beschilderung und der Umstellung von Meilen auf Kilometer zu erkennen.
Viel mehr fällt uns aber ins Auge, dass es hinter der Grenze eine Tankstelle nach der anderen gibt. Als wir die Preise sehen, wissen wir auch warum: Die Republik Irland ist für die Nordiren das, was für die Deutschen Luxemburg ist: das gelobte Tankland! Und auch für uns Deutsche sind die Preise unfassbar „günstig“ (zumindest in Trumps Iran-Kriegs-Wahnsinn-Zeiten). Die Preise liegen knapp unter 2 €. In Nordirland haben wir noch für 1, 89 £ getankt – das sind 2,26 €…
Ich hatte in den Nachrichten gelesen, dass die Iren wegen der hohen Spritpreise auf die Straße gehen und es sogar Straßenproteste gegeben habe. Daher war ich einfach davon ausgegangen, dass das Preisniveau dann ähnlich hoch wie bei uns aussehen würde. Falsch gedacht.
Stroove Beach
Wir lassen uns davon aber die Laune nicht verderben, sondern fahren im warmen Nachmittagslicht die Küstenstraße der Inishowen-Halbinsel entlang.
Unser Ziel ist der Stroove Beach mit seinem pittoresken Leuchtturm kurz vor dem Inishowen Head.
Auf dem asphaltierten Parkplatz bekommen wir einen Platz, wie wir ihn lieben. Mit Ausblick auf Strand und Meer (und Leuchtturm). Hier wollen wir gerne unsere erste Nacht in Irland verbringen!
Einziges Manko des Strandes: Er ist schon reichlich knapp bemessen. Hier sind keine langen Strandspaziergänge drin, sondern man kann beständig auf und ab laufen. Zumindest, wenn man wie Annette ein Schritteziel erreichen möchte. Wenn man es wie der Fotograf macht, sucht man sich einfach verschiedene Positionen, von denen man die Landschaft fotografieren und genießen möchte.


Und als abends noch der Duft von Torffeuern in der Luft liegt und die paar Wolken am Himmel nach dem Sonnenuntergang rötlich schimmern, freuen wir uns einfach auf die kommenden Wochen in Irland. Man weiß erst wieder, wie gut das hier sein kann, wenn es mit allen Sinnen erfährt. Die Luft, der Duft, das Licht!
Das heute war schon gut, aber wir können uns nahezu sicher sein, dass es noch viel besser wird. Schön, wieder hier zu sein!

