Es ist weiterhin ideales Wanderwetter. Und Glentrool ist eine feine Gegend zum Wandern.
Heute gehen wir den Weg hinüber ins Glentrool Village. Und nicht nur der Weg, sondern auch das Dorf hat für uns ganz schöne Bullerbü-Vibes. Alles hier ist einfach so nett und friedlich, dass man sich schon vorstellen kann, dass das Leben hier kein Schlechtes sein kann.


Bluebells deluxe
Auf dem Rückweg machen wir noch einmal einen Abstecher zu den Bluebell-Feldern am Damm, die wir gestern entdeckt haben. Denn Annette musste sich gestern meinen üblichen Spruch „Falsches Objektiv dabei!“ anhören, aus dem ich aber meine Schlüsse gezogen habe.
Heute jubele ich über meine richtigen Entscheidungen. Für die Foto-Nerds unter euch: Sowohl das 16er als auch das 80er Makro erweisen sich als Volltreffer und es könnte sein, dass ich da etwas eskaliert bin…













Wie gut, dass Annette da mit dem Malen ebenfalls gut ausgelastet ist, sodass wir beide nachher glücklich mit dieser Stunde bei den Blümchen sind.


Alles frisch
Fast fällt uns danach die Entscheidung schwer, wirklich abzufahren, denn man könnte es wahrlich schlechter antreffen als hier im Glentrool.
Aber so langsam müssten wir dann doch mal alles frisch machen und ver- und entsorgen. Das erledigen wir dann für 10 £ im Campingplatz hinter dem Dorf, den wir auf der Anreise buchstäblich links liegen gelassen haben.

Wir merken ihn uns dann gerne mal als Basis für den nächsten Aufenthalt hier in der Gegend vor. Denn der Platz ist äußerst gepflegt und ruhig. Von hier aus kann man dann hervorragend mit den Rädern die Umgebung erkunden.
Aber nicht heute.
Pause an Ailsa Craig
Uns ruft schon wieder das Meer. Wir steuern den großen Parkplatz südlich von Girvan an. Dieser ist mit dem Wohnmobil problemlos anzusteuern und um diese Jahreszeit auch nicht überlaufen. Die Aussicht auf die auch treffend Muffin genannte Insel Ailsa Craig ist schon schön. Da er aber direkt an der A77 liegt, wäre er aufgrund des Verkehrslärms für uns kein Übernachtungsplatz.
Für ein Kaffeetrinken und ein Muttertags-Facetime ist er aber geradezu ideal.

Ländliches Idyll
Nach diesem Zwischenstopp fahren wir im traumhaften Abendlicht durch das bukolische Hinterland. Wir können gar nicht sagen, ob die Landschaft auf dem Weg nach Girvan vielleicht ähnlich schön war, aber hier sieht alles so unfassbar perfekt aus, als hätte man einem Landschaftsdesigner für Modelleisenbahnen den Auftrag gegeben „Erstelle eine ländliche Landschaft mit sanft geschwungenen Hügeln, sowie genau richtig platzierten Bäumen und Vieh.“ Note 1+ mit Sternchen, aber mit Bildern während der Fahrt leider nicht ganz einzufangen.


Kirkmichael Arms
Wir landen schließlich im kleinen Dorf Kirkmichael, wohin sich wohl die wenigsten Touristen verirren. Auch wir wären nicht hierhin gefahren, wenn es nicht ein Ziel gäbe, welches perfekt zu uns passt. Und zwar das Restaurant Kirkmichael Arms. Schaut euch gerne mal deren wunderschön designte Website an!
Von außen wirkt es hübsch, aber nicht besonders mondän. Und auch innen ist alles geschmackvoll, aber nicht übertrieben fancy. Genau wie wir es mögen. Ebenso ist der Empfang freundlich, willkommen heißend, aber nicht überschwänglich. Angenehm bodenständig.

Es gibt hier für die Hauptgänge keine Speisekarte, sondern eine Tafel, die wir von unserem Ober noch einmal in seinem herrlich sanften schottischen Akzent vorgelesen und erklärt bekommen. Alleine dafür hat sich der Besuch schon gelohnt! Alle verarbeiteten Produkte sind lokal, schottisch und von bester Qualität. Anders ließe sich eine Michelin-Empfehlung wohl auch kaum erreichen.

Manche Gerichte sind schon ausverkauft, von manchen gibt es nur noch zwei Portionen. Lecker hört sich aber alles an, sodass uns die Auswahl mehr als schwerfällt. Köstlich scheint das alles zu sein.
Zumindest für unsere Wahl können wir das dann nur bestätigen. Jakobsmuscheln mit Schweinebauch hört sich nur so lange nach einer ungewöhnlichen Kombi an, bis man es mal probiert, wie es hier angeboten wird. Sensationell! Und mit der Überraschung für mich, dass der Schweinebauch mir fast noch besser schmeckt als die heißgeliebten Scallops. Aber auch die Fischgerichte (Seezunge und Peterfisch, der hier John Dory heißt) sind raffiniert zubereitet und köstlich.


All das hat seinen üppigen Preis. Aber wir würden jederzeit wiederkommen, um etwas anderes von der außergewöhnlichen Karte zu probieren. Dicke Empfehlung, wenn ihr euch etwas Besonderes gönnen wollt!
Croy
Wenn ich vorher nachgefragt hätte, wüsste ich jetzt, dass man im Wohnmobil wohl problemlos am Straßenrand im Dorf übernachten könnte. Sagt zumindest unser netter Ober. Aber wir haben vorab nicht gefragt und stattdessen eine mehr als attraktive Alternative ausgekundschaftet.
Nach drei Nächten ohne Meeresrauschen haben wir schon wieder Sehnsucht nach dem Meer. Und in Croy einen Stellplatz gefunden, der vielversprechend erscheint.
Als wir von oben auf die Küste zufahren, stockt uns dann mal wieder der Atem, wie es einem vielleicht nur in Schottland passieren kann. Wir schauen auf eine grandiose Szenerie, als wir übers Meer auf die Isle of Arran hinüberblicken. Die Sonne schickt vereinzelte Strahlen auf die Landschaft hinunter, die alles in ein unwirkliches Zwielicht tauchen und punktuell noch die vorgelagerte Holy Island beleuchten. Spek-ta-ku-lär!
Den letzten Kilometer fahren wir problemlos auf einer Single Track Road hinunter zu einem Parkplatz mit Panoramaaussicht. Und wir haben Glück, dass dort nur ein anderes Womo steht. Wir gesellen uns dazu und ab dann ist nur noch Staunen angesagt.

Das ist wieder einer von den Plätzen, weswegen wir unsere Art des Reisens so lieben. Annette beschreibt es treffend: „Das ist doch wie Kino!“