Morgens um fünf werde ich von den ersten Sonnenstrahlen geweckt und bin sofort elektrisiert, da mein Blick auf die Isle of Arran fällt, die in Flammen zu stehen scheint. So rot ist das erste Morgenlicht, das auf die Insel fällt, dass man es kaum glauben mag.
Ich springe aus dem Bett, schnappe mir Kamera und Stativ und richte alles ein, um dieses Licht einzufangen. Aber ich komme einfach zu spät. Dieses Erlebnis müssen wir also im Kopf behalten. Das schöne Bild das ihr seht, ist eigentlich nur ein müder Abklatsch dessen.


Nach dem Frühstück machen wir noch einen kleinen Weg hinunter zum Strand. Von unserem Übernachtungsplatz aus geht es sofort ein enormes Gefälle hinunter. Noch kribbeliger wird das Gefühl, als wir einen Tieflader sehen, der beladen mit einem dieser statischen Holidayhomes hier hinunterfährt. Dem wollten wir nun wirklich nicht auf dieser Strecke begegnen. Denn es ist klar, wer hier das Ausweichmanöver machen muss…

Unten am Strand gibt es noch reichlich Parkplätze, auf denen man ebenfalls mit dem Womo übernachten könnte. Den Strand empfanden wir aber als nicht so überragend, und ob der Platz den Nervenkitzel der steilen Anfahrt wert ist, muss wohl jeder selbst wissen.

No Historic Abbey
Eigentlich wollten wir schon gestern zur Crossraguel Abbey fahren, die etwas südlich von Ayr liegt. Das passte dann aber aus Zeitgründen nicht mehr. Heute wollen wir dafür die ersten sein.
Wir machen aber lange Gesichter, als Parkplatz und Abbey verschlossen sind, obwohl wir das zuvor noch extra in der Historic Scotland App überprüft hatten.

Nach einem nervenaufreibenden Wendemanöver an der Straße fahren wir weiter nach Ayr. Hier wollen wir noch einmal unsere Vorräte gründlich in der Zivilisation auffüllen, bevor es in die weniger besiedelten Gebiete westlich von hier gehen soll. Für diesen Großeinkauf brauchen wir sage und schreibe 1,5 Stunden!
Endlich wieder Calmac
Jetzt können wir uns unserem Tagesziel, der Isle of Bute, nähern. Die Fahrt führt immer nah am Meer entlang und auch hier sind die Blicke auf die Isle of Arran immer wieder wunderschön.
In Wemyss Bay, wo die Fähre nach Bute ablegt, haben wir nur eine kurze Wartezeit. Um 14:05 Uhr legt unsere Fähre pünktlich ab und wir genießen die entspannte Fahrt auf dem Sonnendeck mit einem beeindruckenden Blick auf das Landschaftspanorama um uns herum.



Die 35-minütige Überfahrt vergeht wie im Fluge und als wir vor den Häusern an der Uferpromenade von Rothesay einlaufen, steigt die Vorfreude auf unsere nächste schottische Insel, die wir erkunden dürfen.

Holperstrand Scalpsie
Auf Bildern sieht der Strand von Scalpsie voll nach unserem Beuteschema aus. Große Bucht mit Sandstrand, ein nettes Café, Blick auf die Berge von Arran und die Möglichkeit, mit dem Womo hier zu stehen. Träumchen!

In der Realität sieht die Sache dann etwas anders aus.
Die Bucht hat nämlich nur sehr begrenzte Parkmöglichkeiten. An der Nordseite gibt es eine Holperstrecke die oberhalb des Strandes verläuft. Mit dem Alpa geben wir aber nach hundert Metern auf, weil die Gefahr, aufzusetzen, in keinem Verhältnis zur Schönheit des Platzes steht. Das Wendemanöver gelingt dann auch nur mit Daumendrücken und perfektem Zusammenspiel von Einweiserin Annette mit dem unerschrockenen Micha am Lenkrad. Puh!
An der Südseite des Strandes gibt es einen Platz, den man viel einfacher anfahren kann. Aber als wir aus dem Fenster schauen, ist die Isle of Arran aus dem Blickfeld komplett verschwunden. Wie schade, darauf möchten wir nicht verzichten. Also weiterfahren.

Der nächste Parkplatz weiter südlich ist dann überfüllt und so langsam sind wir genervt von der Stellplatzsuche. Das kann doch nicht so schwer sein!
Nur mit Anmeldung per Mail
Ein weiterer Platz, den wir in unseren Favoriten abgespeichert hatten, erweist sich ebenfalls als Rohrkrepierer.
Hier muss man sich vor Betreten des Geländes auf einem Bauernhof registrieren. Per Mail. Ich schreibe also die gewünschte Mail, während Annette die Lage auf dem weiteren Weg sondiert. Sie ist nicht begeistert, da auch hier wirklich stattliche Schlaglöcher und Unebenheiten den Ton angeben. Nachdem ich die Lage ebenfalls sondiert habe, fällt der Entschluss: Das ist uns zu heiß, auch wenn der Stellplatz unten am Strand großartig aussieht. Also wieder: Kehrtwende und Weitersuchen.

Kilchattan
In der Kilchattan Bay werden wir dann endlich, endlich fündig. Am Ende einer kleinen Straße gibt es kurz vor dem Wendehammer einen Platz nach unserem Geschmack. Vor dem Wendehammer des Linienbusses gibt es einen kleinen Parkplatz, in den wir einfach so reinpassen. Ohne Anmeldung, ohne Rumpeln, ohne Drama. Nehmen wir!
Blackpark Stone Circle
Nachdem wir uns erst mal ausgeruht haben und an den Basstölpeln erfreut haben, die vor unserer Nase um die Wette tauchen, erkunden wir die Gegend auf einem kleinen Abendspaziergang.

Kilchattan ist ein ungewöhnliches Dorf, das aus einer Häuserreihe am Meer besteht. Viele haben zwar ihre beste Zeit sichtlich hinter sich, aber wirklich ungepflegt wirkt das hier nicht. Es gibt im Gegenteil viele kleine hübsche Details zu entdecken. Wir fragen uns, wie viele der Häuser wirklich noch dauerhaft bewohnt sind oder als Ferienwohnungen vermietet werden.





Auf dem Weg kommen wir auch mal wieder an einem Steinkreis vorbei. Wenn ich überlege, wieviel Aufwand ich beim ersten noch getrieben habe - die wachsen hier im Dutzend!
Dieser hat als Besonderheit einen Stein mit Krücke, da er ansonsten wohl umkippen würde.


Kingarth Hotel
Wir haben ein Ziel auf unserem Abendspaziergang. Das Kingarth Hotel soll eine richtig gute Küche haben und nach dem ganzen Hin und Her des Tages möchten wir uns mit einem leckeren Essen belohnen.
Zunächst ein kurzer Schreck, weil schon alle Plätze in der Bar, wo Hunde erlaubt sind, besetzt sind. Aber dann die charmant-pragmatische Lösung, dass wir am Rande des Restaurantbereichs (mit Hundeverbot) auch mit den Hunden noch einen Tisch bekommen.
Das Essen ist dann wirklich lecker, wenn auch nicht so raffiniert wie am Vortag im Kirkmichael Arms. Aber auch preislich liegt da eine ganz andere Messlatte zugrunde. Wir sind heute aufgrund der „billigen“ Preise fast schon verwirrt. Vorspeisen unter 10 £? Nehmen wir doch gerne!


Als wir danach zurück zum Mannimobil gehen, sehen wir Wolken, die aussehen, als hätte jemand eine Langzeitbelichtung an den Himmel gemalt. Wunderschön, aber gleichzeitig ein Anzeichen für den Wetterwechsel. In den kommenden Tagen soll es deutlich wechselhafter werden.
