Wir haben uns gestern zu der Entscheidung beglückwünscht, den Steinkreis nicht mehr zu besuchen. Zu ungemütlich war das Wetter. Aber wir machen lange Gesichter, als wir morgens aus den Fenstern schauen. Es hat sich nichts geändert, sondern ist eher noch trister geworden.
Da genießen wir erst mal die Gemütlichkeit des Mannimobils und spielen auf Zeit. Denn der Check-out ist auf diesem Platz mit 12:30 Uhr löblich spät. Das wollen wir auch bis zum Ende ausreizen.
Aber auch nach 10 Uhr wird der Regen nicht wirklich weniger. Da wir nicht wissen, ob man mit dem Womo am Castlerigg Stone Circle gut parken kann, steht ein Fußweg auf dem Programm. Annette lehnt nach einem letzten prüfenden Blick dankend ab und auch die Hunde gucken mich nur mitleidig an, als ich ihnen meinen Plan unterbreite. Aber ich will mich nicht damit abfinden, dass ich extra für diese Fotolocation hierhin gekommen bin und dann nicht losziehe. Wofür hat man schließlich wetterfeste Kleidung? Ich stiefele also alleine los.
Castelrigg Stone Circle
Es ist dann wie so häufig: So schlimm ist das mit dem Regen doch gar nicht. Denke ich zumindest auf den ersten Metern. Nach einer Viertelstunde muss die Regenjacke aber schon zeigen, was sie kann. So ganz vertraue ich ihr nicht.
Als ich am Steinkreis ankomme, stelle ich fest, dass es hier durchaus Parkplätze gibt. Und bei dem Pisswetter auch reichlich freie. Aber eben auch ein Warnschild an der Straße, dass sie für Busse nicht geeignet sei. Mich passieren allerdings einige Transporter im Womo-Format. Das hätte wohl gepasst.

Am Steinkreis ist nur ein anderer Tourist, mit dem ich einen kurzen Schwatz halte. Er deutet auf den Kreis und meint „Soll hier was Besonderes sein. Aber ich spüre keine Energien.“ Er sei Buddhist und sehr empfänglich für so etwas. Mein Tipp für fehlende Energien wäre einfach das ungemütliche Wetter, das den Steinkreis heute eher schmuddelig mit Matschpfützen präsentiert. Oder wie Annette aus dem warmen Womo mein Handyfoto kommentiert: mystisch!
Ich drehe also eine Runde um den mystischen Steinkreis, platziere das Stativ am passenden Ort und hoffe darauf, dass das Wetter sich hier bereits schottisch wechselhaft zeigt und gleich auch mal die Sonne durchkommt. Das würde großartig aussehen!
Aber mein Ausharren wird dieses Mal nicht mit Sonnenschein belohnt. Nur mit mehr Mystik in Form von mal mehr, mal weniger intensivem Regen. Nach einer halben Stunde gebe ich auf.

Auf dem Rückweg begrüßt mich mähend eine Herde Schafe, die offensichtlich darauf wartet, dass ein Mensch sich um sie kümmert. Ich kann den blökenden Vierbeinern allerdings nur anbieten, ein Fotoshooting abzuhalten.




Ultra-Einkauf
Etwas frustriert verlassen wir die Gegend des Lake District, wo am Wochenende anscheinend immer der Bär steppt. Landschaftlich ist das schon schön hier, aber uns zieht es ja eher in die abgelegeneren Regionen. Und mit der Region Dumfries &Galloway im Südwesten Schottlands peilen wir genau solch eine an. Für uns war es bisher stets nur die Durchreiseregion auf dem Weg zur Irland-Fähre nach Cairnryan. Aber ein wenig mehr wollen wir von der Gegend schon gesehen haben.
In Gretas Green erreichen wir Schottland und verkneifen uns einen zweiten Besuch in der Touristenhochburg. Stattdessen möchten wir unsere Vorräte auffüllen, bevor es in einsamere Regionen geht.
Im Tesco in Annan finden wir alles, was unser Herz begehrt. Es könnte sein, dass wir beim Einkauf etwas eskaliert sind. „Weißt du noch: Diese Süßigkeit? Oder jenes Knabberzeug? Indische Fertigmischung? IPA?“ Der ohnehin absurd tiefe Einkaufswagen füllt und füllt sich.
Total nervig: Bei Tesco wäre man schön blöd, wenn man keine Kundenkarte nutzt. Die Rabatte, die man damit erhält, sind teilweise absurd hoch. Aber eine Clubcard für Ausländer? Gar nicht mal so einfach. Denn am Info-Schalter bekomme ich nur die Auskunft dass das per App oder online gehe. Im deutschen App-Store ist die App nicht verfügbar und online benötigt man eine englische Telefonnummer. Wer hier Hilfe weiß: gerne kommentieren!
Unsere Rettung ist dann der Kunde hinter uns, der bereitwillig seine eigene Kundenkarte zückt: „I collect the points!“ Win-win. Unser Gewinn sind dann üppige 28 Pfund an Rabatten! Bei einem Kassenzettel von am Ende 180 £ (fragt nicht!) kann sich das sehen lassen. Unsere nächsten Fish & Chips gehen dann mal auf Herrn Tesco…
Solway Bay
Ein schlechtes hat unser Mammuteinkauf dann aber doch. Es ist mittlerweile so spät, dass der eigentlich fest geplante Besuch von Caerlaverock Castle ausfallen muss. Schade, wir hatten uns so auf die dreieckige Burg gefreut! Mal schauen, ob wir sie auf dem Rückweg eingebaut bekommen.
Bis zu unserem Ziel an der Bucht von Kirkcudbright ist es noch eine Stunde Fahrzeit (unnützes Angeberwissen: Das wird Kir-Kuh-Brie ausgesprochen…), sodass wir erst gegen 18 Uhr ankommen.
Nach dem gestrigen Ausgebucht-Schock im Lake District wollten wir für das Wochenende auf Nummer Sicher gehen. Nach der erlebnisreichen und kurvigen Anreise wollen wir zwei Tage zum Ausspannen haben, ohne uns Stress mit der Stellplatzsuche zu machen.
Trüffelschwein Annette hat den Farm-Camping Solway View ausgekundschaftet und wir haben uns mal für zwei Nächte angemeldet. Als wir die letzten Kilometer befahren, wird die Landschaft immer uriger, die Straße immer schmaler bis zum Single Track. Aber alles lässt sich problemlos befahren. So lieben wir das.
Und der Platz ist dann genau das, was wir uns davon erhofft haben: Klein, familiär, übersichtlich und mit einem schönen Ausblick auf die Solway Bay von der Rundsitzgruppe aus.
White Bay
Im Abendlicht folgen wir noch den Wegweisern zur White Bay, die einen Weg unterhalb des Campingplatzes ausschildern.

In den Wäldern wimmelt es von Bärlauch und Bluebells. Ein herrlicher Anblick. Der Bärlauch steht kurz vor der Blüte – in ein paar Tagen ist das hier ein weißes Wunderland!

Die White Bay sehen wir dann von oben her. Einen einfachen Zugang zu dieser Gezeitenbucht finden wir nicht. Dafür aber Rehe, die sich im Abendlicht tummeln, dann aber von den Zweibeinern mit ihren Hunden erschrocken werden. Sorry!


Als wir eine Weide vom Wald aus kommend überquert haben, sehen wir erst im Nachhinein das ungeliebte Schild „Bull in Field“. Das wäre wirklich ein Schreck in der Abendstunde geworden! Aber anscheinend hat der Bulle schon Feierabend. Besser so.

Wir freuen uns bei der Rückkehr zu Mannimobil, dass wir für die ersten Nächte in Schottland so einen entspannten Ort gefunden haben. Genau das Richtige, um die Akkus für die kommenden Abenteuer aufzuladen!

