Ein Glück, dass es Wetterberichte gibt. Vor allem, wenn sie stimmen. So wie heute!
Denn der Bericht hilft, uns den Tag zu planen. Die erste Tageshälfte soll es absolutes Aprilwetter geben. Schauer und Sonne im Wechsel. Also ideale Voraussetzungen, um ultralangsam in den Tag zu starten. Da wir den Campingplatz für zwei Nächte gebucht haben, zieht uns nichts weiter. Einfach da sein.
Während also immer wieder ein Schauer durchzieht, schreibe ich fleißig Tagesberichte, um im Blog wieder auf dem Laufenden zu sein. Das Aufschreiben von „alten“ Erinnerungen ist nicht dasselbe wie mein übliches abendliches Ritual, das Erlebte niederzuschreiben. Da türmt sich schnell ein Berg auf, den man meint, nicht mehr bewältigen zu können.
Ab jetzt wird’s schön
Gegen Mittag werden die Wolken weißer und der Himmel blauer. Genau wie angekündigt kommt die Zeit für eine kleine Erkundungswanderung zur südlich von uns gelegenen Ross-Halbinsel.
Bereits hier in Galloway ticken die Uhren deutlich langsamer. Der Campingplatz liegt am Ende einer Straße, der wir noch ein paar hundert Meter folgen. Die Hunde können getrost frei laufen, da kein Autoverkehr zu erwarten ist. Und wenn dann doch ein Auto kommt, wird langsam gefahren und freundlich gegrüßt. Hach!
Am Ende der White Bay gibt es noch eine Farm und schnuckelige Ferienhäuser. Wer Ruhe sucht, wird hier fündig.


Über die Kuhwiese
Den Weg um die Halbinsel hatten wir uns eher wie einen Zöllnerpfad in der Bretagne vorgestellt. Tatsächlich geht es aber schon bald durch ein Gatter auf eine Kuhwiese. Komplett mit Hinweis auf Leinenpflicht für Hunde, dem Hinweis, dass Hunde hier auch schon erschossen wurden, wenn sie Vieh jagen und Tipps, was zu tun ist, wenn die Kühe aggressiv werden.
Zusammen mit dem Anstieg sorgt das für einen nicht ganz unentspannten Weg über die Weide, auf der wir die Kühe mindestens so argwöhnisch beobachten wie sie uns.
Die Weide hat zudem auch Knöchelbrecher-Qualitäten. Von den Kühen ist der weiche Boden ordentlich vertieft worden, sodass man besser jeden Schritt bewusst wählt, damit man nicht umknickt.

Aussicht auf Little Ross
Erleichtert schließen wir hinter uns das nächste Viehgatter, um uns dann auf einer geschwungenen Wiese einen Platz an der Steinmauer zum Betrachten von Little Ross Island zu suchen.

Ich spiele mit der Kamera, Annette mit dem Farbkasten. Wir lieben es beide, dass wir ohne Worte einen solchen Ort jeder auf seine Weise genießen können. Und die Hunde freuen sich, in der warmen Sonne zu liegen und gelegentlich eine Möhre als Snack zu knabbern.


Erstes Meer-Tanken
Der Weg führt uns dann weiter über Knochenbrecher- oder Sumpfwiesen entlang der Küste. Wir genießen die Szenerie, obwohl sie mit dem ganz großen Landschaftskino von Wester Ross natürlich nicht mithalten kann. Aber ich meine: Meer! Rauschen! Glitzerndes Wasser! Sonne! Kann man doch nicht meckern!




Pause im Freien
Wir kehren nach dieser kleinen Runde zum Womo zurück und sind davon erschöpfter als man es zugeben sollte. Unsere Kondition hat wahrlich Luft nach oben. Dass wir ins Schwitzen kommen, kann aber auch daran liegen, dass wir kleidungstechnisch ein Regal zu hoch gegriffen haben. Alles etwas zu warm und zu winddicht.
Da fühlt es sich doppelt gut an, sich vor das Mannimobil zu setzen und Eis und Kaltgetränk zu sich zu nehmen. April in Schottland? Draußen sitzen kein Problem! (Okay, das ist jetzt etwas gestrunzt. Der Wind ist nämlich so kühl, dass er einem nach einiger Zeit dann doch die Finger steif werden lässt.)

Herrliches Abendlicht
Für den Abend haben wir uns vorgenommen, noch einmal hinunter zum Wäldchen zu gehen, das wir gestern in Richtung White Bay durchquert haben. Heute wollen wir in die entgegengesetzte Richtung gehen. Das Wäldchen mit Bluebells und jeder Menge Bärlauch ist einfach zu fotogen.





Uns erinnert dieses Wäldchen aus einem unbekannten Grund an Skandinavien. Und gleichzeitig auch wieder nicht. Denn hier ist alles einen Tacken weicher und harmonischer als in den eher knorrigen Wäldern Schwedens. Die majestätische Urwüchsigkeit eines Norra Kvill hat ihren ganz eigenen Zauber. Aber während man dort spürbar die zweite Geige spielt, fühlen wir uns hier wie ein Teil des Ganzen. Heimelig.

Senwick Church and Graveyard
Plötzlich taucht vor uns die Mauer eines alten Friedhofs auf. Komplett mit umgestürzten und verwitterten Grabsteinen. Wir sind sofort gefangen von der Magie des Ortes. Alles sieht aus, als wäre hier seit Ewigkeiten kein Mensch mehr gewesen.
Die Wiese ist hochgewachsen, Blümchen blühen schon überall und das letzte Tageslicht hüllt alles in eine magische Stimmung. Ein verzauberter Ort, nur für uns. Manchmal haben wir das Gefühl, dass solche Orte uns finden und nicht wir sie.




Auf dem Rückweg saugen wir noch einmal diese unaufgeregte Landschaft in uns auf, denn wir schmieden gerade verrückte Pläne. Da wir diese aber selbst so crazy finden, wollen wir noch eine Nacht drüber schlafen. Schreibt gerne in die Kommentare, wenn ihr eine Idee habt, was am Dienstag passieren könnte.
Eines steht in jedem Fall fest: Grandios werden die kommenden Wochen so oder so!
