Ein weiterer Tag mit strahlend blauem Himmel.
Wer hat eigentlich diesen Unsinn vom Dauerregen in Schottland in die Welt gesetzt? Rückblickend auf unsere mittlerweile 6 Wochen in Schottland sind die Einzigen, die sich über das Wetter beschweren können, vermutlich die Landwirte.
Für unsere geplante Radtour nach Ballater könnte es gar nicht prächtiger sein. Durch diese tolle Herbstlandschaft zu radeln, ist ein einziger Genuss.
Erster Teil: Pinienwald
In Dinnet können wir mit den Rädern sofort auf den Deeside Way abbiegen. Das ist die ehemalige Bahntrasse von Aberdeen nach Ballater. Heute ist aus ihr, wie vielerorts auch, eine Fahrrad- und Spazierstrecke geworden.

Der erste Abschnitt führt uns durch einen Pinienwald, der aber immer wieder durchsetzt mit Birken ist oder eine schöne Aussicht auf die umliegenden Hügel und Birkenwälder bietet.
Die Hängebrücke
Nach fünf Kilometern gibt es bereits die erste Sehenswürdigkeit, an der wir nicht vorbeifahren können. Bei Cambus o’May gibt es eine Hängebrücke, die im Jahr 1905 erbaut wurde. Wenn man sie so weiß strahlend sieht, muss man einfach erst einmal anhalten.

Nachdem wir sie bewundert und begangen haben, stellt Annette nach einem Blick aufs Handy fest: Hier könnte man auch eine schöne Runde machen. Also verschieben wir die Weiterfahrt nach Ballater und marschieren los.


Lovely Deeside
Der Weg hat dann alles, was wir an dieser Gegend bisher so lieben. Ruhige Wanderwege, ein bisschen Geschichte, ein paar Ruinen und viel herbstliche Natur.





Der Weg führt durch den Wald in einer langgestreckten Runde zurück zum River Dee, an dessen Ufer wird dann den Rückweg antreten.



Auch hier natürlich wieder mit jeder Menge Herbstfarben im Angebot. Aber auch mit zumindest ein wenig Wildlife. Wir beobachten eine Wasseramsel, Enten und den fast schon obligatorischen Reiher.




Zweiter Teil: Birkentunnel
Zurück an der Hängebrücke schwingen wir uns wieder auf die Räder. Schließlich wollen wir noch Ballater erreichen.
Der folgende Abschnitt auf dem Deeside Way ist dann hauptsächlich von Birken gesäumt. Man fährt durch eine Birkenallee, die sich über einem fast schon zu einem Dach verbindet. Wunderschön!




Dritter Teil: Das Tal von Ballater
Schon bald weiten sich danach Tal und Landschaft und wir können im strahlenden Sonnenschein bis nach Ballater radeln. Wirklich eine Radstrecke zum Genießen.

In Ballater endet die Strecke am ehemaligen Bahnsteig dann eher unspektakulär. Man sieht noch, wo hier früher der Bahnsteig war, aber für Radfahrer ist nichts ausgeschildert. Wir fahren dann außenrum zur Seite des Bahnhofsgebäudes. Das sieht alles sehr schick aus, als wäre es erst in jüngster Vergangenheit renoviert worden.

Rothesay Rooms
In diesem Gebäude befindet sich neben der örtlichen Bücherei auch ein Café-Restaurant. Das sieht alles nett und britisch old-fashioned aus, auch wenn die Tische vor dem Eingang mit Essensresten unserer Vorgänger überquellen. Das wird bestimmt noch jemand abräumen, vermuten wir.
Wir haben mittlerweile ein kleines Hüngerchen und sind froh, dass es kurz vor dem Schließen (um 16 Uhr!) noch warme Küche gibt. Wir entscheiden uns für Mac&Cheese mit Haggis.

Während wir auf unser Essen warten, schwatzen wir noch mit einer älteren Dame, die auf einer Bank neben uns die Sonne genießt. Sie erzählt uns, dass das Gebäude vor einiger Zeit zum großen Teil abgebrannt sei, aber dass der King es neu errichten ließ. Und dann auch neu in seiner Farbe, dem hellen Grün, streichen ließ.
Und überhaupt: Wir hätten den König nur knapp verpasst. Er sei vergangene Woche noch hier gewesen. Ob ich da vielleicht doch richtig geraten habe?
Leider ist das Essen dann keine königliche Offenbarung. Leider das Schlechteste unserer bisherigen Reise.
Und der Service ist auch nicht gerade royal. Auch auf unserem Tisch steht schmutziges Geschirr, aber der Kellner serviert und zieht ungerührt wieder von dannen, ohne etwas davon mitzunehmen. Wenn das der King sehen würde!
Ballater
Bei dem strahlenden Wetter ist zwar auf dem Park rund um den Church Square reges Treiben von Leuten, die das Wetter genau wie wir genießen. Aber ansonsten können wir uns für den Ort nicht besonders erwärmen.

Im Gegenteil: Wir fragen uns, in welches der Geschäfte denn wohl Charles und Camilla zum Shoppen gehen, wie uns die Dame vom Bahnhof erzählt hat? Wir zumindest haben keines gefunden, wo man Oh und Ah sagt…
Aber zumindest konnten wir in einem Jagdgeschäft einen Mann bewundern, der mit seinem feinen Anzug und seinem Habitus förmlich „Butler“ rief. Wir sind uns sicher, dass er nur zum Personal des Königs gehören kann.
Rückfahrt
Auf dem Heimweg können wir noch einmal im Abendlicht alle Stationen des Hinwegs bewundern und sind dann doch einigermaßen erledigt von diesem Tag.
Unser Timing ist dann so perfekt, dass Annette pünktlich zu ihrem Online-Meeting kommt und ich noch bei Tageslicht die Räder wieder in der Heckgarage verstauen kann.
Denn morgen werden wir mit dem MoMo aufbrechen und noch einmal ein Stück weiter in die Cairngorms fahren. Wir haben noch nicht genug!