Herbst in den Cairngorms

Der Weg in die Cairngorms

Abschied vom Meer, Willkommen im Farbenmeer – Schottland überrascht erneut.

Autor
Micha
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    Wir klopfen uns morgens auf die Schulter. Alles richtig gemacht! Denn es war eine goldrichtige Entscheidung, den gestrigen Sonnentag in Cruden Bay zu verbringen. Heute fängt der Tag gedämpft an. Eher bedeckt, aber für einen Regenbogen langt es in Schottland dann trotzdem immer noch.

    Es fisselt dann ein wenig, als wir diesen schönen Ort verlassen. Da fällt der Abschied nicht ganz so schwer.

    Wir sagen der Küste nicht gerade gerne byebye. Wir sind eher skeptisch, ob es wirklich eine schlaue Entscheidung ist, ins Inland zu fahren. Kann es denn wirklich noch besser werden?

    Erledigungen

    Unser Weg teilt sich heute in 30-Minuten-Etappen auf. Der erste Stop ist eine LPG-Tanke in Inverurie, da wir lieber mit vollen Gastanks in die Bergwelt fahren wollen.

    Anschließend führt uns der Weg erneut nach Alford, was nahezu auf dem Weg liegt. Im dortigen Coop haben wir letzte Woche alles gefunden, was wir brauchen. Und außerdem können wir dort mit den Hunden noch ein wenig durch die Läden schlendern, die Annette da noch alleine erkundet hatte.

    Herbst in den Cairngorms

    Den nächsten Stopp machen wir in Dinnet, wo wir zwar erst ab morgen im Firbank Park unser Lager aufschlagen werden, aber freundlicherweise heute schon mal ver- und entsorgen können.

    Herbstfarben Deluxe

    Wieder einmal empfinden wir es fast als schon atemberaubend, wie schnell sich die Landschaft ändert. Gab es auf den ersten Kilometern schon hin und wieder hübsche Herbstfarben zu bewundern, steigerte sich dies spätestens hinter Alford im Minutentakt.

    Das rosafarbene Craigievar Castle fällt durch seine ungewöhnliche Bauweise auf. Es wurde einfach immer nach oben hin erweitert. Dadurch hat es fast schon was von Schloss Neuschwanstein.

    Herbst in den Cairngorms

    Auf der A97 kurz vor Dinnet brechen dann alle Dämme. Die Farben werden immer leuchtender, die Bäume immer gelber. Ein absoluter Farbenrausch!

    Herbst in den Cairngorms
    Herbst in den Cairngorms
    Herbst in den Cairngorms

    Hinter Dinnet wählen wir B976. Diese verläuft parallel zur viel befahrenen A93. Hier zählen wir auf der 12 Kilometer langen Strecke gerade einmal drei Fahrzeuge, die uns entgegenkommen. Für uns bedeutet das gemütliches Cruisen durch diese gelbe Wunderwelt.

    Glen Muick

    Kann man das noch toppen? Man kann. Man fahre einfach in Ballater ins Glen Muick!

    Herbst in den Cairngorms

    Die Straße wird hier noch enger. Es ist mal wieder Single Track angesagt. Aber das kann den Highland-gestählten Micha nicht weiter schrecken. Denn was viel wichtiger ist: Wir haben auf der Strecke einen Gelb-Orgasmus nach dem anderen. Es wird einfach immer schöner!

    Herbst in den Cairngorms
    Herbst in den Cairngorms

    Zumindest so lange, bis man in die höheren Lagen des Tals kommt. Denn schlagartig ist es vorbei mit Birken und Blättern. Stattdessen ist Heide und Moorlandschaft angesagt. Was uns kurzfristig enttäuscht (wir wollen GELB!), wird bald darauf auch schon wieder spannend. Immer August muss das hier ein lila Festival der Heide sein. Aber vor allem weitet sich das Tal und wird beeindruckend, weil wir uns plötzlich ausgesprochen klein fühlen.

    Als wir den Parkplatz erreichen, rätseln wir noch kurz, auf welchem der drei Plätze wir wohl stehen wollen und dürfen. Wir entscheiden uns dann für den untersten Platz am Visitorcenter. Goldrichtige Wahl!

    Für 10 Pfund dürfen wir bis morgen um 23:59 Uhr stehen. Das soll wohl reichen. Und es ist für diesen tollen Ort ein absoluter Schnapper, auch wenn es außer Toiletten keine Vorrichtungen für Womos gibt. Ach ja: Internet gibt es hier auch keines.

    Schottland in Reinform

    Ich erkunde die Umgebung und werde im Visitorcenter freundlich von zwei Rangern begrüßt, auch wenn diese gerade Feierabend machen wollen. Der ältere der beiden bittet mich erst mal ins Gebäude, um mir an einer großen Reliefkarte auf einem Tisch die Gegend zu erklären.

    Er macht das mit einer solch selbstverständlichen Begeisterung, sodass ich den Eindruck bekomme, dass er das nur für mich so detailliert beschreibt. In Wirklichkeit hat er diesen Vortrag wahrscheinlich schon tausende von Malen gehalten. Es ist auch diese Herzlichkeit, die uns immer wieder nach Schottland zieht!

    Die Umrundung des Sees heben wir uns für morgen auf, da hierfür mindestens drei Stunden angesetzt sind. Vor Sonnenuntergang schaffen wir es nur ans Ufer des Sees, welches in 20 Minuten erreicht ist.

    Loch Muick
    Loch Muick
    Loch Muick

    War das der König?

    Wir machen uns bei schönstem goldenem Abendlicht auf den Weg. Die karge Heidelandschaft leuchtet auf einmal unwirklich schön.

    Loch Muick

    Annette entdeckt auf einmal zwei Autos, die den Berg hinabfahren. Ist da denn noch eine Straße? Und warum befinden sich zwischen den zwei Autos zwei Pferde? In meinem Kopf ist Kino. Gab es solche Szenen nicht auch bei „The Crown“? Wo die Queen in den Highlands unterwegs ist und die Natur genießt? Könnte das hier King Charles sein, der das Wochenende in Schottland verbringt?

    Loch Muick

    Wahrscheinlich totaler Quatsch – aber möglich könnte es sein.

    Loch Muick

    Der See und die Sonne

    Schnell ist aber auch diese Episode wieder vergessen.

    Denn jetzt übernimmt endgültig die Natur die Regie. Die Sonne zaubert immer wieder neue Lichtflecken auf die Bäume am Ufer und den Berghängen. Man kommt kaum hinterher, wie schnell sich die Szenerie und die Motive verändern.

    Loch Muick
    Loch Muick
    Loch Muick
    Loch Muick

    Denn auch der Himmel liefert immer wieder neue Farbkombinationen. Und wenn man sich umdreht (immer eine gute Idee in Schottland!), sieht die Landschaft dort im Zweifelsfall noch spektakulärer aus als das, was man zuvor schon grandios fand. Es ist zum Verrücktwerden schön!

    Loch Muick
    Loch Muick
    Loch Muick
    Loch Muick
    Loch Muick
    Loch Muick

    Wir bleiben so lange am See, wie es bei Tageslicht geht, um dann bei der Rückkehr wirklich eine Punktlandung hinzulegen. Beim letzten Tageslicht betreten wir das MoMo und starten den gemütlichen Teil des Tages. Also Essen für alle, Sichten der Bilder für Micha, Malen für Annette und Schlafen für die Hunde.

    Loch Muick

    Beim Zubettgehen hören wir dann noch die brunftigen Hirsche um die Wette röhren. Unheimlich und trotzdem schön.

    Was sind wir für Glückskinder!

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