Der Morgen begrüßt uns mit stürmischem Wind und tollen Lichtstimmungen. Insbesondere der Leuchtturm ist ein echter Hingucker.

Nachdem wir in der Ardross Farm noch mal unsere Vorräte aufgefüllt haben, geht es weiter. Aber diese Ecke Schottlands hat sich definitiv auf Wiedervorlage gesetzt. Einen solchen Hof mit knackig erntefrischem Gemüse und so vielen Leckereien würde ich zu Hause auch gerne haben!

Home of Golf
Als wir in St. Andrews ankommen, sind wir gespannt, wie es sich hier mit dem Wohnmobil in der größeren Stadt parken lässt. Es ist völlig entspannt und dazu noch kostenlos! Die Lage zwischen Golfplatz und dem riesigen Nordstrand ist auch nicht zu verachten.


Wir beobachten eine Weile die Golfspieler auf dem makellosen Grün und stellen fest, dass das eine komplett andere Welt ist. Nichts für uns, aber irgendwie faszinierend.

Das Castle
In St. Andrews können wir mal wieder unsere Historic-Scotland-Membership nutzen. Freier Eintritt statt 10 Pfund pro Person fühlt sich immer gut an…

Vom Castle sind nur noch die Grundmauern übrig. Aber man kann sich gut vorstellen, dass die Lage der Burg strategisch gut gewählt war.
Die Geschichten, die zur Burg erzählt werden, sind blutrünstig und man kann sich gut vorstellen, woher George R.R. Martin seine Inspirationen für Game of Thrones bekommen hat.

Auf eine merkwürdige Art und Weise befriedigend fand ich das Schicksal des Kardinals Beaton zu Reformationszeiten. Er griff mit harter Hand gegen die Protestanten durch und ließ gerne mal seine Gegner verbrennen. Die Protestanten waren insbesondere vom abstoßend zur Schau gestellten Prunk des Kardinals so angewidert, dass sie die Burg trickreich einnahmen, den Kardinal töteten und den Leichnam von den Burgzinnen hinabhängen ließen. Raue Zeiten.
Man kann gewisse Parallelen zur Gegenwart ziehen: abstoßende Superreiche mit zu viel Macht und so…


Die Kathedrale
Man sollte allerdings nicht meinen, dass die Protestanten hier die Guten in der Geschichte sind. Denn die damals sicher wahnsinnig beeindruckende Kathedrale von St. Andrews wurde leider von ihnen zerstört und verfiel in den kommenden Jahrhunderten.

Man bekommt heute als Besucher nur eine vage Vorstellung davon, wie groß das Gebäude einmal gewesen sein muss. Das Gelände ist heute ein großer Friedhof. Auf diesem sind bedauerlicherweise ausgesprochen viele Grabsteine mit Gittern umgeben, da es angeblich eine Gefahr gebe, dass die Steine umfallen könnten. Wenn man die restlichen uralten Grabsteine im Rest des Landes betrachtet, wirkt das ein wenig arg übertrieben.


Besonders betroffen sind wir von den vielen Grabsteinen, die Eltern ihren verstorbenen Kindern gewidmet haben. Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man fünf seiner Kinder zu Grabe tragen muss? Wir wissen heute gar nicht mehr, wie gut wir es haben!

Stadtbummel
Jetzt wird es langsam Zeit für den etwas stimmungshebenden Teil des Stadtbesuchs. Wir bummeln am Northpoint-Café vorbei, wo sich seinerzeit angeblich Prince William und Kate kennengelernt haben. Das nenne ich auf jeden Fall mal gutes Marketing!

Apropos gutes Marketing: Ihr könnt gerne noch mal darüber nachdenken, ob ein MoMo-Abo nicht etwas für euch sein könnte. Die Bilder vom heutigen Tag werden als Druck sicher großartig aussehen!

Wir kehren mittlerweile recht hungrig ins Tanon ein. Das thailändische Restaurant ist sehr klein und stylish low-budget eingerichtet. Uns hat es richtig gut geschmeckt!
Danach schafft Annette noch das Kunststück, bei Fatface drei Hemden anzuprobieren und in jedem so gut auszusehen, dass sie notgedrungen alle drei kaufen muss.

Nordstrand
Auf den letzten Metern zurück zum Wohnmobil werden wir noch von einem typisch schottischen Schauer überrascht. Wie gut, dass wir die nassen Klamotten danach beim Strandspaziergang mit den Hunden wieder trocknen lassen können.

Der olle Campingplatz
Wir verlassen auch St. Andrews mit dem Gefühl, dass wir hier nicht das letzte Mal waren. Aber jetzt wird es doch Zeit, noch mal ein paar Meilen Richtung Norden zu fahren. Schließlich sollte doch der Schwerpunkt unserer Reise auf den geliebten Highlands und den Orkney Islands liegen!
Annette erweist sich mal wieder als Stellplatztrüffelschwein. Denn der Campingplatz an der Lunan Bay hat sehr durchwachsene Bewertungen. Als wir von der Hauptstraße abfahren, ahnen wir auch, warum. Man hat das Gefühl, dass der Campingplatz vielleicht gar nicht existiert. Und die Zufahrt auf den letzten Metern hat dazu noch einige Bumps zur Verkehrsberuhigung.

Aber als wir dann ankommen, finden wir einen einfachen, aber vollkommen hinreichenden Platz vor. Nach dem Self-Check-In per Onlinebuchung stellen wir uns auf den hinteren Grasplatz. Per Mail bekommen wir dann auf dem weitestgehend leeren Platz einen Stellplatz direkt an der Entsorgung zugewiesen. Wir beschließen an dieser Stelle, dass wir diese Mail nicht gelesen haben und bleiben lieber am selbst gewählten Platz stehen…
Lunan Bay
Vor Sonnenuntergang kommen wir an den Strand und sind ein Mal mehr von den schottischen Stränden begeistert. Durch hohe, weite Dünen gehen wir in wenigen Minuten zum Strand.

Und wieder einmal denken wir: „Das gibt’s doch gar nicht!“ Vor uns das weite Meer und der endlose Himmel. Und nur eine Handvoll Menschen. Dagegen war heute in St. Andrews Hochbetrieb!

Die untergehende Sonne färbt den Himmel und die Landschaft mal hier, mal dort ein.


Ein unwirklich leuchtendes Wolkenweiß? Bitteschön!

Eine glühende Landzunge? Gerne!

Ein orangeblauer Himmel über dem Campingplatz? Kein Ding!

Schottland fühlt sich manchmal einfach so an, als würde man durch ein Gemälde laufen, welches nur für einen selbst gemalt wurde. Genau deswegen zieht es uns magisch immer und immer wieder an.
