Uns passiert das, was in Schottland immer wieder geschieht: Wir möchten einfach nicht weg, weil es uns so gut gefällt. Aber die Vernunft siegt dann doch, da wir noch genügend Highlights auf der Strecke erleben werden. Also muss ein kurzer Strandspaziergang genügen, bevor wir uns von Lossiemouth verabschieden. Spoiler: Hervorragende Entscheidung!

Kathedrale mit Erkenntnissen
Im Nachbarort Elgin befinden sich die Ruinen der Kathedrale, die im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Die „Lantern of the North“ (Laterne des Nordens) muss im Mittelalter ein wahnsinnig beeindruckender Anblick gewesen sein.


Zwar kann man auch hier, ähnlich wie in St. Andrews, nur noch vage vorstellen, wie das komplette Gebäude ausgesehen haben mag. Aber die Ausstellung gibt sich viel Mühe, die Geschichte und das Flair der Kathedrale zu vermitteln.
In den zwei erstaunlich gut erhaltenen Türmen werden die Steinmetzarbeiten gut in Szene gesetzt und erklärt. Es ist absurd, zu sehen, wie detailliert selbst kaum sichtbare Figuren ausgearbeitet wurden. Was für eine Kunst!



Komplett geflasht bin ich dann bei der Vorstellung, dass das alles auch noch bemalt war, wie man anhand eines kleinen Beispiels sehen kann. Auch die spärlichen Glasreste der Kirchenfenster sehen faszinierend aus. Da möchte man wirklich eine Zeitmaschine haben, um sich dieses Gebäude einmal in seiner ganzen Pracht anzusehen!



Kapitelhaus
Ein Höhepunkt ist das Kapitelhaus, das neben der Ruine nahezu vollständig erhalten ist. Man betritt es und ist in einer anderen Welt. Vom Band kommt ein Chorgesang, der eine wunderbare, ehrfurchtgebietende Stimmung über den Raum legt. Viel näher als hier werde ich an Gottesfrömmigkeit nicht mehr kommen. Die Akustik des Raumes sei so gut, dass jedes Wort des Bischofs zu hören gewesen sein soll, obwohl er nicht die Stimme erhoben habe. Glaubt man sofort!

Von unseren Historic-Scotland-Besichtigungen ist dies ein absolutes Highlight. Dicke Empfehlung!
Inverness im Schnelldurchlauf
Wir sind länger als geplant in Elgin geblieben. Daher passen wir unsere Reiseplanung mal wieder fließend an. Der Besuch am Schlachtfeld von Culloden muss noch warten, da wir auf jeden Fall in Inverness noch Vorräte aufstocken wollen.
Wir parken im Zentrum auf dem großen Parkplatz von Morrisons. Gut, dass Annette gelesen hat, dass man hier auf dem Supermarkt-Parkplatz Parkgebühren bezahlen muss. Denn es wird lediglich das Kennzeichen gescannt und bei Nichtbezahlung werden saftige Strafgebühren fällig.
Wir zahlen 2 £ für 2 Stunden und drehen vor dem Einkauf noch eine kleine Runde durch Inverness.

Es ist sicher nicht ganz fair, eine Stadt nach so einem kurzen Eindruck zu beurteilen. Wir sind beeindruckt davon, wie viel hier los ist. Die zehntgrößte Stadt Schottlands hat zwar „nur“ 51.000 Einwohner, aber gemessen an den meistens viel kleineren Orten, die wir bisher gesehen haben, ist das schon eine Hausnummer.

Aber wirklichen Charme verspüren wir hier nicht. Muss man allerdings unter Vorbehalt sagen, denn normalerweise findet man die schönsten Ecken einer Stadt auch nicht unbedingt rund um den Bahnhof…
Leaky’s Bookshop
Ein kleines Schmankerl finden wir aber dennoch. Die skurrile Second-Hand-Buchhandlung Leaky’s Bookshop.
Ich kenne zumindest nicht allzu viele Buchhandlungen, die in der Mitte einen Holzkamin haben!


Es geht ein wenig wie in einem Taubenschlag zu. Ständig strömen Besucher hinein, gehen hinauf auf die Empore, um sich einen Überblick zu verschaffen und vor allem, um Fotos zu machen. Also ungefähr so wie ich.


Bei uns werden natürlich sofort Erinnerungen an die Bücherstadt Wigtown geweckt, die wir im Frühjahr besucht haben.
Loch Fleet zum Zweiten
Nachdem wir die Einkäufe erledigt haben, fahren wir weiter zum heutigen Tagesziel: dem Loch Fleet nördlich von Dornoch. Das Beobachten von Seehunden ist uns in bester Erinnerung.
Schon als wir die Brücke über den Dornoch Firth passieren, packt uns das Highland-Gefühl. Ab hier wird es jetzt grandios. Vorher war ja nur normal schön…
Als wir die letzten Kilometer zum Loch hinunterfahren, steigt die Vorfreude, aber auch die Sorge, ob wir noch einen Platz bekommen. Denn ein solcher Top-Deluxe-Platz ist in der Regel heiß begehrt. Aber wir haben Glück. Das Mannimobil lässt sich problemlos abstellen. Hurra!
Leider ist Flut, sodass es heute, anders als im vergangenen Jahr, keine unzähligen Seehunde auf den Sandbänken zu fotografieren gibt.
Seehund-Model
Aber als Annette einen ersten Blick auf den Loch wirft, juchzt sie: „Ein Seehund!“
Tatsächlich hat sich ein Seehund einen Stein in Ufernähe ausgesucht, um seine abendliche Siesta zu halten. Und nicht nur das: Er posiert regelrecht für uns!
Und da man ein solch fotogenes Model nicht allzu oft im Leben vor die Kamera bekommt, glüht der Sensor der Kamera so sehr, dass man fast die Szenerie drumherum vergessen könnte.










Und einen Reiher gibt es noch als Zugabe.


Denn auch die ist, wie von uns erhofft und erwartet, grandios. Wie viel Glück kann man eigentlich haben?
