Hoy erleichtert uns den Abschied etwas, indem es dafür sorgt, dass es stürmt und regnet. Das sieht aber immer noch mehr als stimmungsvoll aus. Auf der kurzen Fahrt zum Hafen in Lyness erleben wir schottisches Wetter im Schnelldurchlauf. Es ist einfach alles dabei bis auf Schnee.





Scapa-Flow-Museum
Erfreulicherweise ist dann bei unserer Ankunft freundliches Aprilwetter dran. Ich nutze die halbe Stunde bis zur Abfahrt der Fähre, um mal in das Scapa-Flow-Museum reinzuschnuppern.

Es ist wirklich nur ein Schnelldurchlauf, den ich da mache. Eigentlich gäbe es vieles zu sehen über diesen natürlichen Militärhafen, der in den Weltkriegen über 10.000 Soldaten beherbergte. Und auch die deutsche Geschichte mit der Selbstversenkung der Flotte nach dem 1. Weltkrieg ist ein Thema, das erklärt wird. Lohnt sich alle schon wegen der vielen alten Maschinen, die dort ausgestellt sind. Wer sich nur ein wenig für Industriekultur interessiert, kommt hier auf seine Kosten.

Sonniges Mainland
Wir werden wieder von dem freundlichen Fährmitarbeiter begrüßt, der alle Fahrzeuge der Reihe nach mit Blicken taxiert. Es sieht wirklich so aus, als würde er in Gedanken Tetris spielen, um alle Fahrzeuge so ideal wie möglich auf dem Schiff unterzubringen. Skeptische Blicke, leichtes Kopfschütteln, schließlich aber zögerliches Nicken. So könnte es klappen, scheint das zu bedeuten.
Und tatsächlich: Am Ende sind alle Fahrzeuge bestmöglich auf dem Schiff untergebracht.

Das Wetter hat die Gelegenheit genutzt, um sich zu entscheiden: Heute wird ein sonniger Tag. Wir fahren bei strahlendstem Sonnenschein hinüber nach Stromness, um auf dem Campingplatz einzuchecken. Während Annette eine Runde an der Küste entlang macht, bereite ich die Räder für unsere Tour vor.
Ab aufs Rad
Wir radeln durch die City von Stromness und wissen jetzt auch, warum das Navi uns um die Stadt herum zum Campingplatz geführt hat. Durch die enge Straße mit Gegenverkehr will man nicht unbedingt mit einem großen Fahrzeug fahren. Es hat alles mit vielen alten Schildern an den Geschäften einen herben Charme. Ähnlich wie die alten Dörfer in Frankreich.





Als wir Stromness hinter uns gelassen haben, wird es ländlicher und fast schon kitschig schön mit Schäfchen auf sattgrünen Wiesen, abgeernteten goldgelben Feldern und dem tiefen Blau des Loch of Stenness.

Standing Stones of Stenness
Nach wenigen Kilometern erreichen wir die Standing Stones of Stenness, eine der Touristenattraktionen auf Orkney. Und praktisch kein Mensch ist da. Wie gut!


Also, zumindest solange, bis der Reisebus vorfährt, seinen Inhalt entlädt und sich eine Schar von Touristen für Selfies vor den Steinen platziert. Es hat etwas unfreiwillig Komisches, wie Leute alle „originellen“ Positionen durchspielen und sich dann alsbald wieder im Bus versammeln. Ich stelle mir das mit der Stimme von David Attenborough vor, wie er dieses Verhalten wie eine seiner berühmten Tierdokumentationen kommentiert. Dann geht’s eigentlich.

Nachdem der Spuk vorbei ist, kann ich noch ein wenig in Ruhe fotografieren. Es lohnt sich, diese riesigen Steine einmal aus der Nähe gesehen zu haben. Denn erst dann wird einem klar, wie absurd es ist, dass diese Riesensteine hier seit über 5000 Jahren stehen. Von den zwölf Steinen, die hier in einem Oval angeordnet waren, sind nur noch 4 übrig. Wer es vollständiger haben will, fährt hier nur ein paar Kilometer weiter zum Ring of Brodgar.
Ring of Brodgar
Ehrlich gesagt, hatte ich mir vom Ring of Brodgar gar nicht so viel versprochen. Steinkreise haben wir schon ein paar Mal gesehen. Einfach ein weiterer Steinkreis, nicht ganz so alt wie die Steine von Stenness. Was soll da jetzt so besonders sein?

Antwort: Es ist die schiere Größe der Anlage. In einem Durchmesser von über 100 Metern sind 27 Steine von ehemals 60 kreisförmig angeordnet. Das, was man in den Reiseführern liest und auf Fotos sieht, lässt sich aber mit der Realität nur ansatzweise erfassen. Man muss es einfach gesehen und erlaufen haben.




Ein Fehlgriff
Wir fahren rund um den Loch of Stenness zurück zum Campingplatz. Das Wetter ist für eine Radtour absolut perfekt. Und auch das Tempo, mit dem wir die Landschaft durchfahren, lässt einfach viel mehr Zeit zum Genießen.
Apropos Genießen: Wir machen auf dem Rückweg den Fehler, im „The Pier“ in Stromness einzukehren. Es ist zwar keine Vollkatastrophe, aber für ein sehr, sehr durchschnittliches Pommesbuden-Abendessen stehen nachher 40 € auf der Uhr. Da haben wir in Anstruther um Längen besser und günstiger gegessen.
Vorboten des Sturms
Der Wetterbericht kündigt für den folgenden Tag ein ziemliches Sauwetter an. Man mag es kaum glauben. Aber als Ouvertüre frischt der Wind schon einmal auf. Das Beste am bevorstehenden Wetterwechsel ist der grandiose Abendhimmel. Unser letzter Abend auf den Orkneys könnte nicht schöner aussehen.


