Orkney macht morgens genau da weiter, wo es abends aufgehört hat. Sensationelles Licht und tolle Farben am Himmel bei stürmischem Wind.




Es ist toll, den auslaufenden Fischerbooten zuzusehen, die über die Wellen hinaus aufs Meer schaukeln. Oder den Möwen, die im Wind aufsteigen und sich dann im Sturzflug wieder fallen lassen. Oder den Seehunden, die gelegentlich neugierig zu uns ans Festland schauen.

Bei der morgendlichen Hunderunde ist absolute Flut und es kommt mehr als einmal eine Welle über den Uferweg geschwappt. Nervenkitzel!


Touristenziel Nummer 1
Eine Destination, die bei einem Besuch auf Orkney nicht fehlen darf, ist natürlich Skara Brae. Dieses archäologische Fundstück aus der Jungsteinzeit ist eine kleine Sensation. Man hat dort nach einem heftigen Sturm im Jahr 1850 eine nahezu vollständig erhaltene Siedlung der Jungsteinzeit entdeckt. Nur mal so als Referenz: Das Ding ist älter als die Pyramiden.
Und direkt Fun-Fact Nummer 2 hinterher: Schon Kleopatra hat näher am Datum der Vorstellung des iPhones gelebt, als am Bau der Pyramiden.
Wir können also festhalten: Das ist hier wirklich unfassbar alt und von Menschenhand geschaffen. Viel beeindruckender geht es kaum.
Entsprechend viel Trubel herrscht dort also. Als wir ankommen, sind zwei Busladungen an Touristen vor Ort. Es ist richtig was los.
Da Annette mit dem Broch of Gurness nach eigener Aussage schon reichlich Steinhäuser gesehen hat, bleibt sie lieber im Trockenen und malt. Ich hingegen stelle mich unerschrocken der kulturellen Herausforderung und den Menschenmassen.
Gut inszeniert
Das Ganze ist von Historic Scotland toll inszeniert und auch so schlau organisiert, dass man als Besucher nur in eine Richtung gehen kann. Man kann einen Film sehen, der die Geschichte des Ortes erzählt. Anschließend werden dann die einzelnen Funde und die Theorien dazu gezeigt. Bevor man in das eigentliche Skara Brae kommt, kann man sich noch ansehen, wie sich die Wissenschaftler das Ganze als gedecktes Haus vorstellen.
So weit, so gut.

Erschreckend langweilig
Das Problem ist dann aber genau, dass alles so gut organisiert sein muss. Alle gehen den gleichen Weg, der einmal um diese steinzeitliche Siedlung herumführt. Es geht ja bei den Mengen gar nicht anders. Und genau wie in Stonehenge geht davon dann der Zauber verloren. Am Broch of Gurness konnte man noch überall hin, andere Perspektiven einnehmen, sich zumindest etwas mehr darin hineinversetzen, wie diese Gebäude wohl früher ausgesehen haben.
Hier guckt man nacheinander die einzelnen Orte der Siedlung an, die sich im Aufbau auch noch ähneln. So wirklich spannend ist das für den Nicht-Archäologen Micha aber nicht. Und der strömende Regen macht es auch nicht besser.


Fast schon sehnsüchtig blicke ich auf den tollen Strand und die sturmgepeitschten Wellen, die sich an der Küste brechen. Das begeistert mich mehr, wenn ich ehrlich bin...
Queen Mom war auch da
Auf dem Rückweg kommt man noch an Skaill House vorbei. Das Herrenhaus gehört zum All-inclusive-Paket des Eintrittspreises dazu. Also kann man es auch eben mal mitnehmen.

Es ist dann erstaunlich persönlich, obwohl natürlich alles inszeniert ist. Aber es hat eher etwas von einem „kleinen“ Zuhause für feine Herrschaften. Bei weitem nicht so pompös wie manches Castle, was es in Schottland zu besichtigen gibt.
Sogar die Queen Mom hat sich im Goldenen Buch verewigt. Und weil das schwer zu toppen ist, wird das Buch dann auch stolz im Wohnzimmer präsentiert.


Wir stärken uns in der Cafeteria mit Cullen Skink und Scones, bevor es wieder zurück nach Stromness geht.
Zurück aufs Festland
Das Wetter ist nämlich mittlerweile wirklich mies und den eigentlich erhofften Strandspaziergang verkneifen wir uns daher. Stattdessen geht es zurück nach Stromness, wo wir uns im Fährhafen für den Check-in zur Rückfahrt auf das Festland einfinden.
Die Orkney-Inseln machen uns den Abschied mit diesem Mistwetter ausgesprochen leicht. Aber beklagen können wir uns wahrlich nicht, wenn wir auf die Woche zurückblicken. Was haben wir für eine tolle Zeit hier gehabt!
Auf der Überfahrt warnt der Kapitän davor, dass es etwas „rough“ werden könnte. Es wird dann aber halb so wild und als wir am Old Man of Hoy vorüberziehen, sind wir doppelt dankbar, dass wir ihn bei so viel besseren Wetterbedingungen sehen konnten.

Man merkt jetzt schon sehr, dass der Herbst das Regiment übernimmt. Als wir um 18.15 Uhr pünktlich in Scrabster anlegen, ist es bei der starken Bewölkung schon dämmrig. Die Fahrt zur Dunnet Bay, wo wir übernachten wollen, wird daher ein kleines Rennen gegen die Zeit.
Wir kommen aber noch so zeitig an, dass wir uns noch einen schönen Platz mit Blick aufs Meer sichern können. Ein Hoch auf die Hubstützen, die den schrägen Platz so gerade noch ausgleichen können. Ab morgen beginnt dann ein komplett neuer Abschnitt unserer Schottlandreise!