Am Morgen gibt es ein kurzes Fenster bei Sonnenaufgang, dass ich für ein paar Fotos nutzen kann. Die 20 Delfine, die Annette auf dem Meer sichtet, verpasse ich hingegen knapp. Fotografenglück, Fotografenpech.


Grimmiges Wick
Kurz danach stellt sich das Wetter auf trüb und regnerisch um. Weiteres Sightseeing ist daher gecancelt. Wir machen noch einen kurzen Zwischenstopp in Wick. Die Stadt hat etwas ausgesprochen Grimmiges an sich. Nicht unfreundlich, aber so, als würden die Menschen hier so manches harte Wetter erdulden müssen. Da überrascht uns der freundliche Park am Fluss, in dem wir noch eine Gassirunde mit den Hunden einlegen, bevor es auf die Fähre geht.

Ein Runde Rückwärts
Wir möchten lieber frühzeitig an der Fähre sein und lassen John O’Groats rechts liegen.

Das „Ich muss mich an einem Wegweiser fotografiert haben“-Gen haben wir halt nicht. Außerdem wollen wir sowieso noch zu den Duncansby Sea Stacks und würden auf dem Weg dahin noch einmal dort vorbeikommen.
Unsere Eile war gänzlich umsonst. Die MS Pentalina hat eine halbe Stunde Verspätung und auch das Entladen dauert länger als erwartet. Der wirkliche Nervenkitzel kommt aber noch: rückwärts auf die Fähre zu fahren.

Als ich sehe, dass der Reisebus und auch ein Truck rückwärts auf die Fähre fahren, dämmert mir, dass wir das auch müssen. Uiuiui. Das wird spannend.
Challenge accepted.
Ich mache dann mit Hilfe der routinierten Einweiser mein Meisterstück. Keine Korrektur nötig, passt alles. Dafür gibt’s einen anerkennenden Daumen vom Einweiser und ich bin stolzer, als ich es eigentlich sein sollte.
Challenge done.

Meine Hochachtung vor den Einweisern steigt dann noch, als ich sehe, wie sie wirklich jeden Zentimeter Platz auf der Fähre ausnutzen. Da wird aber wirklich auch gar kein Platz vergeudet.

MS Pentalina
Die Überfahrt mit der Katamaranfähre ist dann ausgesprochen angenehm.
Wir gönnen uns Suppe und Burger aus dem Bordcafé. Bei den Preisen bin ich mir nicht sicher, ob da vielleicht eine 1 vorne fehlt. Suppe für 3 £? Burger für 4 £? Und das auf einer Fähre?
Es stellt sich heraus, dass die Preise wirklich korrekt sind. Und dafür schmeckt es wirklich gut. Die Suppe kommt nicht aus der Konserve und der Burger ist zwar wirklich trostlos, aber durchaus genießbar.

Da es zwar trüb, aber trocken und erstaunlich mild ist, verbringen wir den Rest der Überfahrt auf dem Außendeck. Das Schöne an den Orkney-Inseln ist, dass eigentlich immer irgendwo die nächste Insel in Sichtweite ist.


Trübe Ankunft
Und dann ist es endlich soweit: Wir verlassen in St. Margaret’s Hope die Fähre und starten in Richtung Mainland, wie die Hauptinsel der Orkney-Inseln heißt.
Das Wetter spielt aber weiterhin nicht mit. Es ist trüb und alles ist grau in grau. Wenn man dann noch die Geschützbunker und Schiffswracks aus dem zweiten Weltkrieg rund um den Scapa Flow sieht, steigt die Stimmung auch nicht gerade.


Wobei es dann doch natürlich immer noch Lichtstimmungen gibt, die ausgesprochen fotogen sind. Wir sind ja immerhin noch in Schottland.
Was uns sofort auffällt, ist die defensive Fahrweise der Autofahrer auf der Insel. Da wird gerne mal gewartet, bis das dicke Womo an einem vorbei ist. Und noch freundlich gegrüßt. Das gibt es auf dem Festland, wo die Womos schon eher eine Plage sind (ja, wir auch), eher weniger.

Und es ist weniger Verkehr. Also auch weniger als auf den anderen Inseln. Eine Ausnahme ist lediglich die Italian Chapel, wo gerade eine Reisebusladung den Bus verlässt. Die kleine, von italienischen Kriegsgefangenen gebaute Kapelle heben wir uns für später auf, wenn hoffentlich nicht mehr so viel los ist.


Newark Beach
Schließlich kommen wir am Newark Beach an. Den hatte Annette ausgesucht, weil der breite Strand im Sonnenlicht so schön aussieht. Dumm nur, wenn es trüb ist und die Flut nur einen schmalen Streifen Sand übrig lässt.
Wir beschließen trotzdem, zu bleiben.
Denn der kostenlose Übernachtungsplatz oberhalb des Strandes ist wirklich schön. Da haben wir schon schlechter gestanden.
Nach einer Besichtigungsrunde strandauf und -ab mit den Hunden machen wir es uns im Womo bequem.
Erst am Abend wird es freundlicher, sodass die Lust wieder steigt, rauszugehen und Fotos zu machen. Mit Licht und Farben sieht das hier schon viel besser aus.



