Wir kommen kaum nach, all unsere neuen Eindrücke zu verarbeiten. Daher gehen wir den Morgen extrem langsam an, um einfach mal durchzuschnaufen. Eine gute Entscheidung. Denn der Tag hat es, auf positive Weise, in sich.
Eigentlich wollten wir gestern noch bis zum Latheronwheel Harbour fahren, sind dann aber in Brora gelandet. Eine Entscheidung, die wir nicht bereuen und gerne 10 £ als Spende in den rostigen Donations-Briefkasten werfen. Wie viele der anderen 10 Womos, die den Platz über Nacht komplett ausgefüllt haben, haben das wohl auch gemacht?

Der Hafen von Latheronwheel
Erst gegen Mittag brechen wir auf und holen nach, was gestern nicht mehr ins Programm gepasst hat.


Annette hat mal wieder ein feines Näschen gehabt und auch auf diesem Parkplatz hätten wir die stürmische Nacht wohl recht gut verbracht, da man von den Klippen recht gut geschützt ist.


Der Hafen selbst ist eher ein Relikt aus alten Zeiten. Entsprechend viel Patina hat er. Beeindruckend sind die Bilder von den Winterstürmen, bei denen die Wellen einfach über die üppige Hafenmauer hinwegschwappen. Unvorstellbar an einem eher sonnigen Tag wie heute.




Aber es ist ein mehr als dankbares Motiv für den Fotografen. Man kann der Mauer regelrecht ansehen, was sie alles schon erlebt hat. Ob sie noch viele Winterstürme überstehen wird?
Entsorgung bei Halberry
Unsere Wasser- und Toilettentanks müssen dringend mal wieder gefüllt und entleert werden. Auf dem Halberry-Croft-Stellplatz ist das nicht nur kein Problem, sondern mit 5 £ auch noch günstig.
Das Beste an dem Platz ist aber vielleicht der unfassbar freundliche Gastgeber Peter. Als wir vorfahren, erscheint er kurz darauf mit einem Lächeln, begrüßt uns herzlich und erklärt alle Details. Hinzu kommen noch diverse Tipps, was wir in der Umgebung unternehmen können. Unter anderen auch den Hill o’ many Stanes direkt um die Ecke. Wir könnten das MoMo gerne einfach so lange hier abstellen.

Hill o’ many stanes
Ein solches Angebot können wir natürlich nicht ablehnen. Ideal für eine kleine Hunderunde ist es noch dazu.
Aber was genau soll denn dieser Hill sein, höre ich den geneigten Leser fragen. Nun, es ist ein Hügel mit vielen Steinen. Ungefähr 200 Stück, in 22 Reihen. So eine Art Carnac im Miniaturformat.
Um die Reihe zu erkennen, muss man schon sehr fantasievoll sein. Oder eben Archäologe. Am besten beides. Annette ist da deutlich besser als ich. Ich begnüge mich da eher mit den fotogenen Steinen, die im August bei voller Heideblüte sicherlich gleich noch mal so schön aussehen.
Anschließend haben wir eine Gewissensfrage zu beantworten. Denn wir beide überlegen bei den wirklich vorbildlich angelegten Stellplätzen und der 180°-Sicht auf das Meer, ob wir nicht einfach den Tag hier ausklingen lassen wollen. Ein wenig entspannen, sacken lassen und die Seele baumeln lassen.
Das klingt äußerst verlockend. Aber wir beschließen, dass es eine Sünde wäre, bei dem guten Wetter nicht noch ein paar Punkte zu unserer Schottlandkarte hinzuzufügen. Am Ende des Tages wird das eine ausgezeichnete Entscheidung sein.



Cairn o'Get
Wir fahren nur ein paar Kilometer weiter zu den Whaligoe Steps. Diese 330 Stufen führen an der Steilküste hinunter zum Meer. Sehr beeindruckend, sehr fotogen, sehr beliebt.
Da der winzige Parkplatz dort voll ist, als wir ankommen, fahren wir direkt zum Parkplatz vom Cairn o’ Get auf der anderen Straßenseite und haben Riesenglück. Ein Porsche macht uns bereitwillig den letzten Platz fürs dicke Mannimobil frei.
Unsere Wege trennen sich am Parkplatz. Annette geht mit den Hunden zum Cairn o'Get, einem prähistorischen Hügelgrab. Den Nervenkitzel mit Micha am Abgrund und die Sorge um die Hunde an der Klippe muss sie nicht haben.
Kommentar Annette: „Schon beeindruckend. Aber der Weg dorthin war fast noch schöner.“



Whaligoe Steps
Zu den Whaligoe Steps sind es nur ein paar Minuten zu Fuß. Ich wähle zunächst den Weg rechterhand, der zum Aussichtspunkt führt. Und was ich dann sehe, lässt sich mit den Bildern und auch Worten nicht wirklich wiedergeben.

Zum einen ist es der Nervenkitzel, ohne jeden Zaun auf einem maximal drei Meter breiten Pfad an der Klippe entlangzulaufen. Zum anderen ist es die Größe der Bucht. Schaut auf den Bildern mal nach, wie klein die Menschen wirken. Und genau so klein fühle ich mich beim Fotografieren. Vor mir diese Szenerie, hinter mir das Meer. Dazu Wind, Regen und Sonne im Wechsel. So sehen Glücksgefühle aus!


Und dann taucht am letzten Aussichtspunkt auch noch der Wasserfall auf, der hier endlos in die Tiefe stürzt. Boom!


Mir wird an dieser Stelle schon klar, dass ich nicht alles sehen werde, was man hier entdecken kann. Denn ich habe mit Annette die kluge Verabredung, dass wir uns nach einer guten Stunde wieder am Mannimobil treffen, damit wir noch im Hellen einen Übernachtungsplatz finden.
Das Hinabsteigen in die Bucht muss also leider bis zum nächsten Mal warten. Aber immerhin komme ich noch in den Genuss, den Elefanten abzulichten. Ihr seht den doch auch, oder?

Schon mal über ein Abo nachgedacht?
Da gibt es nämlich als Goodie ein Bild von uns für dich. Per Post, nicht digital. Ein paar Bilder von heute würden sich doch auch trefflich für ein schönes Schottland-Bild bei dir Zuhause anbieten.
Schau gerne mal nach, ob eine Postkarte oder ein kleiner oder großer Druck etwas für dich sein könnte! Du suchst das Bild aus - wir drucken. Und freuen uns über den nächsten Unterstützer.
Castle of Old Wick
Wir fahren wieder ein paar Kilometer in Richtung Norden.
Am Castle of Old Wick soll man noch kostenlos und legal übernachten können. Traumausblick inklusive. Wollen wir uns zumindest mal ansehen.
Die Anfahrt ist dann genauso holperig, wie es beschrieben ist. Aber eben nur so, dass man langsam und klug fahren muss. Kein Drama, keine Gefahr, wenn man es langsam angeht.
Und unsere Glückssträhne hält an. Es gibt realistischerweise fünf Plätze mit Meerblick. Vier davon sind schon belegt. Der fünfte Platz ist für uns vorgesehen. Perfekt!
Ein spektakulärer Sonnenuntergang ist weit und breit nicht in Sicht. Aber wenn man auch ohne gutes Licht solch eine großartige Szenerie vor sich hat, ist das mehr als zu verschmerzen.




Und ab Morgen: Orkney. Was für ein Tripp das schon bis hierhin war!

