Birsay und Yesnaby

Drei großartige Ziele, die sich in der Grandiosität kontinuierlich übertreffen: Broch of Gurness, Brough of Birsay und die Klippen von Yesnaby.

Autor
Micha
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    Wir müssen an dieser Stelle mal ganz ehrlich sein: So ganz haben uns die Orkneys noch nicht gekriegt. Das war alles aus der Reihe „schön und gut, aber nicht außergewöhnlich“. Was wahrscheinlich mehr darüber aussagt, wie sehr wir durch Schottland schon verdorben sind. Denn es ist wirklich schön hier. Nur eben bislang nicht grandios.

    Heute ändert sich das.

    Broch of Gurness

    Nach einem gemütlichen Start in den Tag besuchen wir am Vormittag noch den Broch of Gurness. Die eisenzeitliche Siedlung liegt direkt vor der Haustür und wir haben sie gestern noch nicht besucht.

    Die Vorstellung, dass Menschen hier so gelebt haben, ist schon beeindruckend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass das hier schon eine Top-Deluxe-Unterkunft für damalige Verhältnisse war.

    Eine Sache muss man aber neidlos anerkennen: Die alte Makler-Weisheit „Lage, Lage, Lage“ kannten sie offensichtlich damals schon.

    Brough of Birsay

    Gegen Mittag brechen wir auf und fahren die nördliche Küste von Mainland entlang. Das Wetter ist prächtig und das satte Grün der Wiesen und das dunkle Blau des Meeres und der Seen sind ein Traum.

    Vieles erinnert uns an Irland und die Wellen, die sich an der Küste brechen, haben wir so gewaltig das letzte Mal in Nordspanien gesehen. Und das sind ja nicht die schlechtesten Referenzen.

    Unser Ziel ist der Brough of Birsay. Das ist eine Gezeiteninsel, die nur bei Ebbe erreichbar ist. Und erstaunlicherweise stimmt dieses Mal unser Timing: Es ist Ebbe.

    Am Parkplatz angekommen, müssen wir nur ein paar Schritte gehen, um zum Mini-Damm zu gelangen, über den man die Insel erreichen kann. Es ist guter Spazierbetrieb in Richtung Insel. Also: für Orkney-Verhältnisse. Woanders würde man sagen: tote Hose.

    Die Insel ist klein und ich hatte ehrlicherweise gar nicht viel erwartet. Einmal rübergehen, Hallo sagen und wieder zurück. Aber ganz so schnell geht es dann doch nicht.

    Denn die Aussicht ist bei dem guten Wetter wirklich nicht von schlechten Eltern. Egal, in welche Richtung man schaut: Es ist ein Traum.

    Das Angenehme an so einer kleinen Insel ist, dass man alles in aller Seelenruhe genießen kann. Zumindest, wenn man auf die Uhr schaut. Denn die Zeit vergeht beim Genießen, Skizzieren und Fotografieren wie im Flug.

    Ich hatte mir sicherheitshalber einen Timer gestellt, der uns 1 ½ Stunden nach der Ebbe daran erinnern soll, wieder zurückzugehen. Wir sind sogar schon etwas früher wieder am MoMo und trinken erst mal einen Kaffee. Als dann mein Timer klingelt, schaue ich aus dem Fenster und traue meinen Augen nicht. Die ersten Wellen überspülen schon den Damm! Also bitte den Rat beherzigen, nicht zu lange nach der Ebbe auf der Insel zu bleiben.

    Unser Rückweg führt trockenen Fußes zurück aufs Festland.
    eine Viertelstunde später…

    Die Klippen von Yesnaby

    Unser Weg führt uns weiter zu den Klippen von Yesnaby. Auf der Fahrt wird die Landschaft in herrlich warmes Abendlicht getaucht und sieht mit den abgeernteten Feldern und den weiten Wiesen einfach traumhaft aus. Uns war vor dem Besuch hier nicht klar, wie sehr die Landschaft hier von der Landwirtschaft geprägt ist. Ganz anders als auf unseren geliebten Äußeren Hebriden, wo alles eher karg und wild ist.

    Wir fahren hinauf zu den Klippen von Yesnaby und bekommen einen Platz mit großartiger Aussicht. Auch hier erinnern die Klippen und das raue Meer sehr an die nordspanische Küste.

    Man muss dazu wissen, dass es ein eher freundlicher Tag mit wenig Wind ist. Wie muss das hier aussehen, wenn es wirklich stürmt? Ich kann mir kaum vorstellen, dass das dann noch dramatischere Ausmaße annimmt. Sehen möchte ich das schon einmal. Aber dann mit Sicherheit nicht mit dem Wohnmobil hier stehen.

    Castle of Yesnaby Seastack

    Als wir ankommen, haben wir beide ordentlich Kohldampf. Es hilft nichts: Erst mal muss etwas in den Magen, bevor wir aufbrechen.

    Ein kleiner Härtetest für den Fotografen, der beim Essen das schönste Abendlicht an sich vorüberziehen sieht.

    Als wir eine gute halbe Stunde vor Sonnenuntergang zum südlich von uns gelegenen Seastack aufbrechen, wird es ein Rennen gegen die Zeit. Und die ist so gar nicht auf unserer Seite. Denn die Sonne verschwindet schon bald hinter einer Wolkenwand am Horizont. Das Licht wäre also schon mal frühzeitig weg.

    Aber der Seastack ist auch so fotogen genug, dass man sowohl von der Szenerie als auch von den hereinrollenden Wellenbergen nicht genug bekommen kann.

    Viel schwieriger ist es, das richtige Timing für den Heimweg zu finden. Annette ist da zuverlässig die Schlauere und tritt zeitig den Rückweg an.

    Bei mir ist es dann doch ein wenig komplizierter. Eigentlich breche ich vollkommen angemessen auf. Ich habe dann nur das Handicap, dass ich an jeder Ecke noch ein tolles Motiv finde.

    Der Felsklotz, der den nächsten Seastack noch mit dem Festland verbindet.

    Der aufgehende Mond über dem Horizont.

    Die Klippen unterhalb unseres Übernachtungsplatzes.

    Es ist alles zum Verrücktwerden schön. Aber ich bin dann doch erleichtert und froh, als ich beim wirklich letztem Tageslicht wieder am Mannimobil ankomme.

    Heute hat Orkney unser Herz gewonnen!

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