Auch heute lohnt es sich, Frühaufsteher zu sein. Obwohl: So früh ist 7 Uhr schließlich gar nicht. Aber von den 4 Womos, die hier stehen, bin ich der Erste, der die warme Höhle verlässt, um den feinen Ausblick zu fotografieren.


Garry Beach
Bevor wir aus unserem Mobilfunkloch abreisen, müssen wir natürlich auch unserem Hausstrand einen Besuch abstatten. Ehrensache!
Es ist nahezu windstill, was bedeutet, dass auch die letzten Midges des Jahres noch einmal auftauchen. Im Vergleich zu den Schwärmen, die wir auch schon erleben durften, ist das heute aber Kindergarten.




Die Ebbe hat schon alle Sea Stacks freigelegt. Einzig bei einem von ihnen gibt es in einer Höhle noch ein paar Rückzugsgefechte der Wellen.


Zwischenstopp in der Zivilisation
Jetzt müssen wir erst mal wieder zurück nach Stornoway. Für alle, die sich auf den Äußeren Hebriden nicht auskennen: Ganz oft gibt es von einem schönen Ort aus nur die Möglichkeit, die gleiche Strecke wieder zurückzufahren, bis man wieder auf die an einer Hand abzählbaren Hauptverbindungsstraßen kommt.
Wir fahren also nach Stornoway, wo wir an der einzigen LPG-Tankstelle auf den Inseln noch mal 6 Liter nachfüllen. Sicher ist sicher… Außerdem gibt es dort ordentliches Internet, sodass ich schon mal einen Blogeintrag hochladen kann. Das machen wir auf einem für die Hebriden bemerkenswert hässlichen Parkplatz, der sich an einer auf der Landkarte eigentlich malerisch aussehenden Landenge beim Flughafen befindet. In der Realität ist dort dann ein runtergerocktes Toilettenhäuschen, Müllcontainer und ein mit Steinen befestigter Steindamm. Noch dazu herrscht hier ein für hebridische Verhältnisse unfassbarer Verkehr. Unromantischer geht es kaum. Aber das Internet ist gut.
Moor und Berge
Wir sind deswegen auch gar nicht traurig, dass wir wieder in die Einsamkeit fahren. Schon bald wird die Landschaft karg und ist vor allem von den Brauntönen des Moorlandes geprägt. Muss man mögen.

Aber schon bald tauchen die Berge der North Harris Hills auf und machen den Ausblick wieder spannend. Denn mit den Lochs, auf denen das spärliche Sonnenlicht silbern glänzt, ist das alles schon wieder sehr rau und malerisch.

Großer Sandkasten
Unser Tagesziel ist der Ardroil Beach. Wir haben ihn als einen gigantischen Sandkasten in Erinnerung, den wir vom Uig-Sands-Restaurant aus bestaunen konnten.
Die Anfahrt zum dortigen Stellplatz wird bei Park4Night allenthalben als katastrophal mit fiesen Schlaglöchern beschrieben. Komisch, so schlimm habe ich die gar nicht in Erinnerung? Was soll schon schief gehen?
Als wir die Straße dann fahren, weiß ich auch, warum alle schimpfen. Entweder war unser Eura-MoMo so viel wendiger oder uns sitzt der Schreck aus der Bretagne noch in den Knochen. Annette möchte am liebsten wenden, aber das geht auf der Strecke einfach nicht. Und rückwärts fahren wäre noch krimineller…
Wir schaffen es dieses Mal ohne Schaden und suchen uns einen Platz aus. Überfüllt ist es hier nicht.

Wir kommen zwei Stunden vor dem Höhepunkt der Flut genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn es ist absolut beeindruckend, zu sehen, wie sich diese gigantische Sandfläche in flottem Tempo verabschiedet und vom Meer geflutet wird.


In regelmäßigen Abständen hört man eine besonders kräftige Welle, die das Meer wieder einen großen Bereich des Landes verschlingen lässt. Gut, dass das nicht so bleibt und nach der Ebbe das Spiel von vorn losgeht!

Wir genießen die Aussicht und ich komme an einem Tag ohne Regen und Sturm auch mal dazu, die Drohne in die Luft zu schicken.
