Heute sind wir früh dran. Also: für unsere Verhältnisse. Nach 10 Uhr soll es schon losgehen. Dieses Mal wollen wir die Gondelbahn hoch nach Metschstand auf „unserer“ Seite des Tals nehmen.
Hektisches Blinken
Wir warten mal wieder bis auf den letzten Drücker, um zum Bus zu kommen. Erstaunt stelle ich dann fest, dass unsere Zentralverriegelung nicht funktioniert. Was ich auch tue: Die Blinker leuchten hektisch auf und signalisieren: Geht nicht!
Normalerweise ein Zeichen, dass man eine Tür nicht richtig geschlossen hat. Aber nachdem ich alle Türen und die Heckgarage geöffnet und beherzt geschlossen habe, bleibt es bei dem hektische Geblinke. Kein erlösendes Klacken der Zentralverriegelung zu hören.
Ich hatte Annette schon mit den Hunden zum Bus geschickt („Kann ja nicht lange dauern“), aber da ich nicht gekommen bin, kehrt sie unverrichteter Dinge wieder zurück.
Ich telefoniere mit unserem Schrauber Ralf Kohl, der die Thitronik eingebaut hat. Er nimmt sich alle Zeit der Welt, um aus der Ferne zu helfen, aber auch nach dem Herausnehmen der Sicherung der Thitronik bleibt das Problem bestehen. Im Display im Armaturenbrett wird „Tür offen“ signalisiert, obwohl alle fest verschlossen sind.
Ich kontaktiere den Thitronik-Support und auch dort wird mir geduldig und systematisch geholfen. Aber leider ohne Erfolg. Die einzige Teildiagnose ist die Vermutung, dass es eher am Fiat liegt. Denn der Taster für die Zentralverriegelung müsste eigentlich selbst dann funktionieren, wenn die Thitronik einen Schlag weg hätte.
So ganz unabgeschlossen möchten wir den Alpa dann doch nicht zurücklassen und spielen mal alle Möglichkeiten durch, was wir noch machen können. Den naheliegendsten Tipp bekommen wir aber vom Nachbarn auf dem Campingplatz: Benutze doch einfach den normalen Schlüssel, der die Tür mechanisch verschließt! Manchmal ist man ja echt dumm…
20 Minuten bergauf
Mit einer Stunde Verspätung starten wir dann in unsere nächste Gondelexpedition. Ich stoppe dieses Mal die Zeit, die man hat, um einzusteigen: Eine Minute! Der freundliche Gondelwart löst auch das Rätsel, dass Annette das vom Skifahren so viel anders in Erinnerung hat. Im Winter fährt die Anlage ungefähr dreimal so schnell! Aber im Sommer ist das wegen der geringen Frequentierung und des Verschleisses nicht sinnvoll. Da geht alles langsamer.
In 20 Minuten legen wir die Strecke hinauf zur Bergstation zurück. Es ist immer wieder toll, wenn sich die Bergwelt vor einem entfaltet.

Richtung Speichersee
Wir waren uns mal wieder unsicher, welche Wanderstrecke wir wohl zurücklegen könnten. Die dreistündige Rundwanderung um die Bergstation hört sich definitiv machbar an. Aber nach unserer gestrigen Erfahrung sind wir vorsichtig geworden. Und durch das Zentralverriegelungsproblem haben wir nach dazu eine Stunde verloren.
Wir wollen erst mal zum Speichersee Brenggen wandern. Dort können wir dann besser abschätzen, was zeitlich machbar ist.
Bei diesem Kaiserwetter ist es ein absoluter Genuss, die Strecke zu laufen. Blühende Alpenwiesen, so weit das Auge reicht. Kuhglockengeläut inklusive.







So vielfältiges Leben
Genau diese Wiesen werden uns dann zum „Verhängnis“. Es macht uns einfach zu viel Spaß, sich das Treiben in den Blüten genauer anzusehen. Wie viele verschiedene Insekten es sind, die sich auf die Blüten stürzen! Und welch teilweise irre Farben und Gesichter die haben!

Normalerweise ist der Standardspruch, den Annette auf einer Wanderung von mir hört, „Falsches Objektiv...“, weil ich nicht immer mein ganzes Arsenal auch mitschleppe. Heute aber hole ich strahlend das Makro-Objektiv aus dem Rucksack: „Richtiges Objektiv!“
Denn mit dem Makro kann ich dann den Kleinstlebewesen so richtig auf die Pelle rücken. Ich tauche ab in eine komplett andere Welt. Selbst eine stinknormale Fliege sieht da besonders aus, wenn sie sich an der Blüte bedient.












Alpenstrandkorb
Am Berghotel Hahnenmoos sind wir dann kurz versucht, in die Gondel nach Adelboden zu steigen und hinab und wieder hinaufzufahren. Einfach, weil wir’s können. Aber es wäre für die Hunde eine echte Zumutung gewesen. Und außerdem: Besser als hier oben wird die Aussicht auch nicht.
Die Alternative ist dann auch um Klassen besser. Hier sind ein paar „Strandkörbe“ aufgebaut, in die man sich einfach hineinsetzen darf. Stilecht mit Kuhfell und natürlich aus Holz.
Wir nutzen sie für eine genüssliche Mittagspause, bevor es weitergeht.





Alpendschungel
Mittlerweile ist klar, dass wir nur die kleinstmögliche Runde schaffen werden, wenn wir die letzte Bahn um 17 Uhr nicht verpassen wollen. Und es ist uns sowas von recht!

Denn wir müssen nicht viele Kilometer abspulen, wenn wir mit dem Beobachten der Natur so viel Freude haben können. Wir finden das Große im Kleinen. Denn auch auf diesem Stück gibt es neue Entdeckungen zu machen.




An einer Stelle müssen wir uns regelrecht durchs „Dickicht“ kämpfen. Keine Frage, die Natur würde hier den Wanderweg eher früher als später übernehmen! Annette prägt das Wort „Alpendschungel“.





Das letzte Teilstück zur Bergstation zieht sich dann mehr als gedacht, weil wir in der Höhenluft wirklich nur in Zeitlupe vorankommen. Aber wir sind mehr als rechtzeitig vor der letzen Abfahrt angekommen.


Käsefondue
Als wir am Mannimobil ankommen, sind wir erst mal überrascht, dass es sich doch gut gefüllt hat. Man merkt, dass die Hochsaison beginnt.
Wir lernen dann auch eine neue Kategorie der Kuschelcamper kennen. Ein paar Zelter haben sich ihre Zelte circa 60 cm neben dem MoMo aufgebaut. Kuschelzelter kannten wir auch noch nicht… Als ich sie anspreche, meinen sie, dass ihnen diese enge Parzelle vom Campingplatz zugewiesen wurde. Wir zweifeln das mal an, weil sie auf der anderen Seite mehr als reichlich Platz gehabt hätten…
Wir lassen uns davon nicht die Laune vermiesen und freuen uns lieber auf unser erstes Fondue mit unseren Errungenschaften. Geschmacklich wird es dann auch ein voller Erfolg, aber wir müssen noch ein wenig am Erhitzen und der Konsistenz feintunen. Denn es ist dann doch einen Tacken zu zäh und auch die Hitze wird anscheinend nicht gut geleitet. Beim nächsten Mal wird es sicherlich besser.

Happy End
Und als hätte es sich ein Drehbuchschreiber ausgedacht, gibt es noch ein Happy End.
Ich folge einer Eingebung und probiere einfach noch mal die Zentralverriegelung aus. Und siehe da: Alles funktioniert wieder wie zuvor! Wir haben aber nach wie vor keine Idee, was zu der Fehlfunktion geführt haben könnte. Egal, Hauptsache es geht wieder!