Heute wollen wir es noch einmal probieren, Iona bei etwas besserem, sprich sonnigerem Wetter zu erkunden. Der Wetterbericht sagt zaghaft ein paar Sonnenstrahlen für den Nachmittag an.
Also schwingen wir uns wieder auf die Räder und setzen jetzt schon deutlich routinierter mit der Fähre nach Iona über.
Weststrand
Der Weg zum Weststrand ist nicht wirklich weit, aber wir sind abermals überrascht, dass es auf der doch recht kurzen Strecke merklich bergauf geht.
Am Ende der Straße zum Weststrand stellen wir die Räder ab. Ab hier geht es zu Fuß weiter.
Die riesige Dünenwiese, die Machair, dient hier gleichzeitig als Golfplatz. Nicht besonders fancy, aber die Lage ist schon einmalig!


Als wir zum Strand kommen, bemerkt Annette nur trocken und vollkommen korrekt: „Schlechtes Timing.“ Denn es ist natürlich gerade Flut, sodass hier hauptsächlich Kiesel am Strand liegen.

Denken an Doug
Mit diesen Kieseln haben andere Leute vor uns schon Muster oder Namen auf die Wiese gelegt. Ich habe einen Geistesblitz: Damit könnten wir doch Doug eine letzte Ehre erweisen.
Auf unserer allerersten Schottlandtour hatten wir damals Doug und seine Frau Christine auf der Fidden Farm kennengelernt. Zwei wunderbar warmherzige Menschen, die damals begeistert für einen Tag unsere alte Hündin Mia gehütet haben, während wir mit Elli auf Staffa und Iona waren.

Leider ist Doug im vergangenen Jahr verstorben. Wir schreiben seinen Namen mit bunten Steinen auf die Wiese und denken, dass es ihm gefallen würde, auf Iona verewigt zu sein.
Falls ihr zufällig mal dort unterwegs seid: Schickt uns gerne ein Foto, ob die Steine noch an Ort und Stelle sind!

St. Columba’s Bay
Anschließend geht es über die Schafweide (gleichzeitig der Golfplatz) den Berg hinauf.




Wir gehen den Weg so lange, bis wir die St. Columba’s Bay von oben sehen können. Was wir sehen: Steinstrand, Schafe, trübes Wetter. Wir gucken uns an, denken das Gleiche und jeder wartet, dass es der andere zuerst ausspricht: „Dafür habe ich auf das bergab und wieder bergauf keinen Bock.“ Also: Umkehr. Machen wir dann mal bei weniger trübem Wetter.

Corncrake-Cafe
Zur Stärkung wollen wir dann zurück an den Hafen und dort einkehren. Aber es gestaltet sich schwieriger, als es sein müsste. Das Martyr’s Bay Restaurant hat eher den Charme einer Mensa und im Argyll Hotel würde erst in einer halben Stunde der Afternoon Tea anfangen.

Wir beschließen, gegenüber vom Columba’s Larder im Columba Hotelrestaurant einzukehren – gute Wahl! Denn der Kuchen schmeckt richtig lecker und die Sitzbänke draußen ermöglichen uns ein besonderes Konzert.

Denn alle naselang ist hier der sehr charakteristische Ruf des Corncrakes, des Wachtelkönigs, zu vernehmen. Das Besondere an diesem Vogel: Man hört ihn zwar überdeutlich, bekommt ihn aber nur superselten wirklich zu sehen. Annette behauptet Stein und Bein, dass sie in für eine Sekunde gesehen habe, als er gerade aufflog.

Ein Hauch Sonne
Wir verlassen Iona auch heute wieder, ohne die Sonne gesehen zu haben. Umso erstaunter sind wir dann am Abend, als fast schon so etwas wie ein Sonnenuntergang zu sehen ist!
Nachdem wir jetzt seit fast einer Woche ausgesprochen wenig Sonnenschein hatten, fühlt sich das schon wie ein besonderes Ereignis an. Alle kommen aus ihren Zelten und Fahrzeugen, um die Sonnenstrahlen zu genießen.

Mein einziges Problem: Ich bin so unfassbar müde, dass ich mich förmlich dazu quälen muss, bis zum Sonnenuntergang auszuharren. Kurz darauf gebe ich endgültig auf und gehe sofort und deutlich früher als sonst ins Bett. Nichts geht mehr.
