Wir verlassen Cullen und sind uns sicher, dass es ein nächstes Mal geben wird.
Unser Weg führt uns ein paar Kilometer östlich nach Banff, wo mit dem Duff House ein Historic-Scotland-Herrenhaus auf uns wartet.
Banff enttäuscht
Wir parken das MoMo und machen uns auf den Weg. Beeindruckend sieht es von außen aus! Aber irgendwie auch etwas verlassen.

Außer uns scheint niemand hier zu sein. Und einen offensichtlichen Eingang finden wir auch nicht. Nach einer Umrundung finde ich eine Tür, wo auf die Mittagspause hingewiesen wird. Aber für diese sind wir nun doch zu früh. Auf mein Klopfen und Annettes Winken durchs Fenster hin kommt eine Mitarbeiterin nach draußen, um uns mitzuteilen, dass geschlossen sei. Nur an den Wochenenden sei im Winterhalbjahr geöffnet. Da war dann wohl die Angabe in der Historic-Scotland-App falsch…

Wir beschließen, das schöne Wetter für ein wenig Stadterkundung von Banff und einen Besuch am Stadtstrand zu nutzen.
Aber leider kriegt uns diese Stadt so gar nicht. Selbst bei schönstem Herbstwetter wirkt sie ein wenig deprimierend grau. Kommt vielleicht von ihren vielen eher schmuddelig wirkenden Fast-Food-Restaurants und einer ungewöhnlich hohen Anzahl an Second-Hand-Läden oder Ramschverkäufern.




Und selbst die Hunde müssen wir enttäuschen: Es ist gerade Flut und der Sandstrand ist komplett verschwunden. Für uns heißt das: Nichts wie weg!
Needle’s Eye
Ich programmiere das Navi und wir fahren weiter. Kurz hinter dem Nachbarort Macduff fragt mich Annette verwundert, ob ich den Felsen-Arch Needle’s Eye doch nicht besuchen wolle. Den hatte ich ihr nämlich vollmundig angekündigt. Ich war aber in Gedanken schon weiter und hatte es komplett vergessen. Wir wenden und fahren zurück. Was ein Glück! Denn wir machen noch ein paar zusätzliche Entdeckungen.
Das Needle’s Eye muss man sich vorstellen wie eine Schrumpfversion des Bow Fiddle Rock bei Cullen. Aber ähnlich fotogen.

Ich stelle fest, dass es ein kleiner Glücksfall ist, dass gerade absolute Flut ist. Dies sorgt dafür, dass auch unter dem Bogen Wasser ist, was deutlich fotogener ist als eine Steinwüste. Ich vertiefe mich ins Fotografieren, während Annette mit den Hunden schon mal die Gegend erkundet.

Tarlair Swimming Pools
Unmittelbar neben dem Needle’s Eye befinden sich die Tarlair Swimming Pools. Was auf den Fotos, die bisher davon gesehen hatte, wie ein etwas gruseliger Lost Place aussah, entpuppt sich als spannende Geschichte.



Dieses dreigeteilte Freiluft-Schwimmbecken wurde 1931 im Art-Deco-Stil erbaut und musste in 1995 leider schließen (Mehr zur Geschichte findet man hier). Mittlerweile gibt es aber die Friends of Tarlair, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Verfall zu stoppen und das Ganze zu restaurieren. Ein absolut verständlicher Wunsch, denn dieses Schwimmbad könnte wirklich ein Schmuckstück werden!

Annette findet sogar heraus, dass das Café geöffnet hat und Cullen Skink im Angebot hat. Das probieren wir doch gerne aus!
Es wird von freundlichen Freiwilligen geführt und ist für einen Dienstagmittag im Oktober erstaunlich gut besucht. Man kann schon mal festhalten, dass die Restauration des Schwimmbadgebäudes gelungen ist. Wir drücken die Daumen, dass die benötigten Gelder zusammenkommen, um die Outdoor-Pools wieder zu betreiben. Ein absolut besonderer Ort!


Troup Head
Unser nächster Stopp wird noch mal eine kribbelige Angelegenheit. Denn wir wissen nicht, ob wir es mit dem Alpa bis zum Parkplatz des RSPB am Troup Head schaffen. Der Weg soll abenteuerlich sein. Was wir bestätigen können.

Auf dem letzten Abschnitt wird die Straße zunehmend schlechter, dann durchfährt man einen Bauernhof, bevor es auf dem noch einmal rumpeligeren letzten Stück zum Parkplatz geht. Und dort sind die Ein- und Ausfahrt so ausgewaschen, bzw. mit einer tiefen Pfütze versehen, dass wir noch nicht ganz sicher sind, ob wir auch wieder hier wegkommen werden.

Aber zumindest bei der Einfahrt geht alles gut und wir bekommen sogar einen ebenen Parkplatz. Bis jetzt hat sich der Ausflug schon mal gelohnt.

Gannets machen glücklich
Warum sind wir eigentlich zu so einem abenteuerlichen Parkplatz gefahren? Die Antwort ist einfach: Es gibt hier die einzige Kolonie von Basstölpeln (engl. Gannets) auf dem britischen Festland. In den Sommermonaten muss das hier ein Spektakel sein, wenn die Jungvögel schlüpfen und hier aufgezogen werden.
Eigentlich sind wir im Oktober viel zu spät dran. Die Papageientaucher, die ebenfalls hier anzutreffen sind, verlassen bereits im August ihre Brutgebiete. Aber es gibt noch eine kleine Chance, dass wir auch jetzt noch Basstölpel hier antreffen werden. Und da ich diese eleganten Flieger ähnlich toll wie Puffins finde, werden wir das jetzt erkunden.
Schon der Weg zur Küste ist großartig. Wir blicken auf eine Steilküste, die sich auch vor den Kilkee Cliffs in Irland nicht verstecken muss.



Der Weg zum Beobachtungspunkt für die Gannets erinnert mich dann an unseren Besuch auf der Vogelinsel Runde in Norwegen. Ständig fragt man sich: Ist das hier jetzt schon der Aussichtspunkt? Oder kommt da noch etwas Besseres? Und ähnlich wie in Runde kann man sagen: Ja, es wird immer noch ein wenig besser. Heißt: Man kommt noch etwas näher ran.


Wir haben tatsächlich Glück. Auf den im Oktober weitestgehend verwaisten Brutplätzen gibt es zumindest noch ein paar Vögel, die die Stellung halten. Wir haben sogar das Glück, bei der Fütterung eines Jungvogels zuschauen zu können.






Wir runden den Tag dann buchstäblich ab: Mit einem feinen Sonnenuntergang und dem fast zeitgleichen Vollmond, der über dem Meer auftaucht.






