Heute gönne ich mir einen unerhörten Luxus: Sonnenaufgang gucken ohne Kamera. Einfach mal nur da sitzen und der Sonne zusehen, wie sie Farben und Formen am Himmel zaubert. Es zuckt mir zwar in den Fingern, doch mal eben die Kamera oder das Handy zu zücken, aber ich sitze und schaue nur. Auch mal schön.
Nach dem Frühstück steht die Abfahrt an. Ich bin etwas nervös, weil beide Ausfahrten des Parkplatzes mit dem 7,30 m langen Alpa förmlich „Das wird kniffelig“ rufen. Am Ende kann ich es kaum glauben, dass Annettes Daumen-hoch-Signal, was ich im Rückspiegel sehe, bedeutet, dass es nicht mal ansatzweise schwierig ist, wieder wegzukommen. Ganz so geländeuntauglich ist unser MoMo III also doch nicht.
Entlang der Nordküste
Wir fahren weiter in Richtung Osten. Da die Straße hier sogar mal direkt auf Meereshöhe verlaufen soll, möchten wir uns das einmal ansehen.
Zunächst aber geht es wieder schottisch- deftig bergauf und bergab. Annette wird beim 20%-Schild wieder leicht blass. Aber das Mannimobil schafft das mit Bravour.

Da das Wetter bislang nicht so wirklich mitspielt, springt der Funke auf dieser Route bei uns aber nicht so wirklich über. Mittlerweile sind wir da schon wählerisch und ordnen die Region rund um Fraserburgh nicht unbedingt als neue Lieblingsregion ein.
Parken am Friedhof
Aber einen Pfeil hat die Region hier mindestens noch im Köcher. Und das ist der Leuchtturm am Rattray Head. Als ich Bilder davon gesehen habe, wusste ich, dass ich dahin möchte.
Das einzige Blöde: es gibt keinen Parkplatz in der Nähe. Also für MoMos nicht. Denn die Strecke auf den letzten 2 Kilometern soll in wirklich beklagenswertem Zustand und einspurig sein. Wir parken daher am Friedhof, wo man dann für die Rückfahrt auch problemlos wenden kann.
Ich schicke die Drohne vor, um schon mal die Lage zu sondieren. Danach weiß ich, dass es die richtige Entscheidung ist, das Wohnmobil zu parken. Denn auch der Parkplatz an den Dünen ist mehr als abenteuerlich. Aber man sieht auch, dass da ein lohnenswerter Leuchtturm auf uns wartet.


Ein schlechter Start
Der Weg die Straße entlang ist wenig spannend. Wir sind zunächst froh, als wir endlich in das Dünengebiet kommen. Aber wirklich schnuckelig sieht das noch nicht aus. Breite Quadspuren und viel Müll sorgen nicht für gute Laune. Und als wir am Strand ankommen, liegen dort wahre Algenmassen herum. Auch das ist nicht der breite Bilderbuchstrand, den ich mir erträumt habe. Es könnte aber auch daran liegen, dass gerade absolute Flut ist.
Zu allem Überfluss fängt es noch an zu schnieseln. Und der Himmel ist ein fließender Übergang von steingrau zu mausgrau.
Minimalistisch
Aber da ist ja noch der Leuchtturm.

Ich baue das Stativ auf und mache mich an die Arbeit. Dieses diffuse Licht und die gedämpften Farben schreien förmlich nach einem ganz schlichten Bild mit dem Leuchtturm in der Mitte.


Oder doch nicht? Was wäre mit Schwarzweiß?

Auch nicht schlecht. Oder doch lieber so, dass man ein wenig mehr Dynamik von den Wellen erahnt?

Ich liebe mein Hobby!
Unverhofftes Glück
Leider geht auch mein anderer Foto-Plan an diesem Strand in die Hose. Es gibt hier ein fotogenes Schiffswrack, das aber nur bei reichlich Ebbe zu sehen ist. Momentan ist halt Flut. Passt irgendwie zu diesem merkwürdigen Morgen.
Während Annette noch das Lighthouse in ihr Notizbuch sketcht, gehe ich noch einmal den Strand entlang, um nach anderen Perspektiven auf den Leuchtturm zu suchen.

Ich sehe in den Wellen einen merkwürdig langen Körper, der zu groß ist, um einfach nur weitere Algen zu sein, die an Land gespült werden. Meine erste unschöne Assoziation ist ein toter Delfin, der an Land gespült wird. Umso schöner ist dann die Erkenntnis, dass es ein Seehund ist, der kurz darauf neugierig seinen Kopf aus dem Wasser steckt und mich betrachtet.

Wenig später gesellt sich sogar noch ein Kumpel dazu, der ebenfalls zu mir schaut. Anscheinend kommt hier nicht so oft jemand vorbei.

Am Ende weiß ich gar nicht, wer von uns diese Begegnung spannender fand. Die Seehunde, die sich fragen, was der komische Mann mit dem Kasten vor seinem Gesicht macht. Oder Micha, der hektisch versucht, beide Seals vor dem Lighthouse abzulichten, bevor sie wieder untertauchen.

Durch dieses besondere Erlebnis mehr als versöhnt mit dem merkwürdigen Tag begeben wir uns auf den Weg zurück zum Wohnmobil.
Cruden Bay
Da ich heute ein Gedächtnis wie ein Sieb habe, vergesse ich unsere Planung für die Weiterfahrt. Statt zum Strand am Scotstown Beach lotse ich uns direkt zur Cruden Bay. Ein mehr als glücklicher Fehler!
Denn so kommen wir am Nachmittag als erstes Wohnmobil am Hafen von Cruden Bay an, wo Wohnmobile gegen Donation willkommen sind. Schon bei der Fahrt bis zum Stellplatz sind wir angenehm überrascht, wie nett und freundlich das Örtchen ist. Nach den doch eher streng grauen und wenig schmuckvollen Orten der letzten Tage eine willkommene Abwechslung.

Man steht hier unmittelbar am Meer. Bei Sturm sicherlich eine Garantie, um in Salzwasser gebadet zu werden. Heute ist es aber nur schwachwindig und wir beobachten bei einer Tasse Kaffee das Treiben. Es gefällt uns hier!
Next Great Sunset
Vor Sonnenuntergang machen wir uns auf den Weg zum Strand. Hierfür muss man ein Stück die Straße zurückgehen, um zu einer Brücke zu gelangen, die einen über einen kleinen Fluss zum Strand bringt.






Und was soll ich sagen: Wieder mal ein Sonnenuntergang mit allem Schnick und Schnack.





Uns fällt dann die Entscheidung nicht schwer: Hier bleiben wir wieder mal mehr als nur eine Nacht!
