Wir haben eine ruhige Nacht verbracht, bis morgens dann der Wind wieder auffrischt. Das mittlerweile vertraute Säuseln des Windes in den Dachluken zeigt an, dass es wieder ein ausgesprochen windiger Tag werden wird. Gleichzeitig aber auch ein deutlich freundlicherer!
Wir holen also die Räder aus der Heckgarage, packen die Hunde in den Hundehänger und ab geht unsere Fahrt. Der Plan ist es, eine kleine beschauliche Runde um unsere Halbinsel zu machen. Eine Stunde Fahrtzeit, wenn wir keine Stopps machen. Easy.
Rund um die Halbinsel
Abgesehen vom kräftigen Wind ist das Wetter prächtig. Größtenteils blauer Himmel mit ein paar Schäfchenwolken. Und in Schottland nicht ganz unwichtig: Das soll auch den Tag über so bleiben!
Wir fahren die Runde gegen den Uhrzeigersinn in Richtung Süden. Schon auf den ersten Metern sind wir froh, dass wir die elektrische Unterstützung haben, denn es geht ordentlich bergauf. Die Aussicht über die Bucht ist fantastisch.
Was jetzt folgt, ist ein typischer Nette&Micha-Tag. Wir kleben nicht an unserem groben Plan, sondern lassen uns treiben und folgen dem Instinkt.
Kleiner Spoiler: Heute haben wir ein wirklich ausgesprochen feines Näschen.
Old Dornie
Es gibt hier oben in Schottland gar nicht so viele Straßen, denen man folgen könnte. Aber mein Riecher sagt mir, dass sich hinter dem Wegweiser nach „Old Dornie“ eventuell ein lohnenswerter Abstecher verbirgt. Da die Straße auch nicht sehr lang sein kann, biegen wir ab, um es herauszufinden.

Und tatsächlich führt die Straße hinunter in eine kleine geschützte Bucht voller Boote, die wohl auch wegen des stürmischen Windes hier vor Anker liegen. Sehr malerisch!



Fox Point Path
Noch besser ist aber der Wanderweg zum Fox Point. Komm, den einen Kilometer laufen wir doch auf einer Backe ab! Gesagt, getan. Räder abgestellt und los geht die Mini-Wanderung auf der schottische Variante eines französischen Zöllnerpfads.
Die Aussichten sind einfach zum Niederknien. Vor und neben uns das aufgewühlte Meer. In der Ferne in der glitzernden See die Summer Isles. Und in der Ferne im Inland die Berge der Highlands. Man kann sich nicht sattsehen.
Ein kleiner, aber ungemein feiner Weg entlang der Küste, den wir da gefunden haben.





Fisk Gallery
Wir (also eigentlich der Elektromotor) kämpfen uns weiter den Berg hinauf. So manche Böe fegt schon ganz heftig in den Lenker. Gut, dass hier nicht mehr Verkehr ist.

Im kleinen Weiler Polbain entdecken wir am Wegesrand die Fisk Gallery. Eine kleine Galerie, die entdeckt werden will. Und auch hier wieder: Volltreffer! Denn man ist stolz darauf, dass sämtliche Dinge, die hier ausgestellt werden, von lokalen Künstlern kommen, die entweder ihr Atelier im oberen Stockwerk haben oder aus der näheren Umgebung kommen. Selbst die Musik-CDs sind von lokalen Künstlern. Was eine Wohltat im Vergleich zum Sortiment in den üblichen Touri-Shops!

Bardentarbet Pier
Außerdem bekommen wir von der ausgesprochen freundlichen Lady im Laden noch den Tipp, hinunter zum Bardentarbet Pier zu fahren. Und wer wären wir, solch einem Ratschlag nicht zu folgen! Denn alleine schon für die Aussichten in die Bucht lohnt sich der kleine Schlenker zum Pier allemal.

Allerdings müssen wir euch mit Details an dieser Stelle eine lange Nase machen, da es von den Betreibern gewünscht ist, möglichst nicht auf Social Media oder im Internet stattzufinden. Sie möchten, dass die Besucher sich von dem überraschen lassen, was dieser Ort zu bieten hat.
Daher ist das Einzige, was wir euch an dieser Stelle sagen können: Vertraut uns, dass ihr nett und gastfreundlich dort empfangen werdet und dass es sich in jedem Fall lohnt, ein wenig Zeit dort zu verbringen. Wir werden uns an diesen besonderen Ort und seine außergewöhnliche Geschichte immer mit einem ausgesprochen warmen Gefühl erinnern!
Achnahaird Beach
Aufgrund unserer herrlichen Umwege wird die Zeit für unser eigentlich geplantes Highlight am Achnahaird Beach langsam knapp. Durch eine herrlich karge Landschaft fahren wir an zwei Lochs vorbei hinüber zum Strand.


Alleine schon der Blick in die Bucht, mit den einlaufenden Wellen und den Bergen im Hintergrund lohnt den Abstecher. Gut hier!


Nachdem wir die Räder abgestellt haben, geht es hinunter zum Strand. Von dem ist wegen der Flut aber gerade gar nicht mal so viel übrig geblieben. Dafür ist es umso faszinierender, den Wellen zuzuschauen, die vom Wind ordentlich neu frisiert werden. Außerdem sorgt dies teilweise für einen kleinen Mini-Regenbogen am Wellenkamm. Großartig!





Voller Gegenwind
Da wir für den Abend wieder einen Tisch im Am Fuaran reserviert haben, brechen wir früher auf, als uns lieb ist. Und wir brauchen länger als gedacht. Denn auf nahezu dem gesamten Rückweg pustet der immer stärker werdende Wind uns ordentlich entgegen. Gut, dass ich am E-Bike den „Turbo“ einstellen kann. Denn man kann jede Unterstützung brauchen, um auf der stetig ansteigenden Straße voranzukommen. Ich schaue mehr als einmal ungläubig aufs Display, ob ich wirklich schon in der höchsten Unterstützungsstufe fahre. Denn es fühlt sich überhaupt nicht so an. Die Beine trampeln ordentlich, ohne dass man den Wow-Effekt hat, wenn das E-Bike auf der höchsten Stufe unterstützt. Mein absoluter Respekt für alle Radfahrer, die hier in Schottland ohne elektrische Unterstützung unterwegs sind. Das muss einfach brutal sein!

Als wir den gestrigen Viewpoint erreichen, weht uns der Sturm fast vom Rad. Mit äußerster Konzentration fahren wir den Berg hinunter und erleben auch hier ein Novum: Einen Berg hinunterfahren und dabei trampeln, damit man nicht stehen bleibt! Crazy und gleichzeitig auch wunderbar. Vor allem, als wir dann auch wirklich heil am Campingplatz ankommen.
Scallops, die Zweite!
Im Restaurant werden wir dann für die Anstrengungen erneut mehr als belohnt. Und wir haben noch Glück, denn aufgrund des Sturms gibt es momentan keinen frischen Fisch mehr auf der Tageskarte. Gleichzeitig auch sehr beruhigend: Da kann man dann auch absolut sicher sein, dass es absolut frischer, lokaler Fisch ist, der hier serviert wird.

Gottseidank sind Scallops (neben Austern, bäh!) das einzig verbliebene Seafood von der Tageskarte. Wir gönnen uns beide eine Hauptspeisenportion, einmal mit der leckeren Sweet-Chilisauce, einmal mit Ingwer-Zitrone. Und selbstverständlich auch wieder köstlich.
Passend zu diesem Tag machen wir aber noch eine neue Entdeckung. Denn Desserts können die hier auch. Und zwar sehr gute! Egal, ob Lemon Cheesecake oder Caramel Brownie: beides köstlich.

Was haben wir hier für ein schönes Fleckchen Erde entdeckt!
Oder, wie es auf einem Plakat in der Gallery stand: „Come to Coigach. Everywhere else ist shite.“