Wir sind in unserem Reisemodus angekommen. Dasein. Genießen. Beobachten. Denn hier gibt es das genaue Gegenteil vom Drama zuvor. Es passiert nicht viel. Und das ist genau so gewollt.
Entdeckung
Der Vormittag ist fürs Arbeiten reserviert. Erst gegen Mittag machen wir uns zur obligatorischen Strandrunde auf. So schnell werden wir das nicht leid!
Wir schlendern in Richtung zweiter Strandhälfte. Denn die Ballyheirnan Bay wird ziemlich genau in der Mitte durch eine felsige Sektion zweigeteilt.



Wir sondieren mal die Lage, ob es am zweiten Parkplatz, den es hier geben soll, vielleicht sogar noch schöner sein könnte.
Nach einem kurzen Rundgang ist die Entscheidung schnell gefallen. Der Ausblick mitten aus den Dünen ist wirklich ein unschlagbares Argument.
Stellplatz, wechsle dich
Wir haben aber keine große Eile, denn unser asphaltierter Parkplatz mit dem steinernen Banktisch bietet sich geradezu für eine kleine Kaffeepause an. Denn das Wetter ist deutlich besser als angekündigt. Wir genießen es gerade sehr, vor dem Mannimobil im Freien zu sein.
Wir fahren die paar Kilometer in Richtung Osten und richten uns auf dem erhöhtem Plateau über dem eigentlichen Parkplatz häuslich ein. Vieles hier erinnert uns an den Plage des Amiets in der Bretagne, einen unserer absoluten Lieblingsorte dort.

Reiseführer verrückt
Apropos Lieblingsorte: Ich mache heute eine komplett schizophrene Erfahrung beim Schreiben der letzten Einträge für den Schottlandreiseführer. Ich gehe dabei noch einmal die Blogeinträge zu den Äußeren Hebriden durch und bekomme beim Schreiben heftige Sehnsucht nach unseren Lieblingsorten dort. Barra! Vatersay! Clachan Sands!
Ich ertappe mich beim Vergleich der Bilder von den dortigen Traumstränden mit dem jetzigen Ausblick aus dem MoMo-Fenster. Halb schimpfe ich, halb lache ich über mich selbst, wie man so doof sein kann, nicht das wertzuschätzen, was man vor der Nase hat.
Ich werte es aber als Zeichen, dass unser Schottland-Reiseführer genau das schaffen wird, was man sich von einem guten Travelguide erhofft: Dass er einen schon ein Stück weit an den beschriebenen Ort transportiert und die Vorfreude auf das steigert, was man dann selbst dort erleben wird. Wer also noch bis 30.4. mit völlig übertriebenen 66% Rabatt (wir müssen verrückt sein!) vorbestellen möchte: Hier geht’s lang!
Sonnenuntergang Deluxe
Und als wollte mich Irland für mein mentales Fremdgehen ermahnen, zieht auch Donegal am Abend noch mal alle Register, als es in der goldenen Stunde in Richtung Sonnenuntergang geht.


Schon früh deutet sich an, dass das Licht großartig ist. Es wird mit dem Sonnenuntergang nicht gerade schlechter.

Im Gegenteil hat man fast den Eindruck, dass der Lichttechniker am Himmelspult alle Regler auf Anschlag stellt, damit der Fotograf beste Bedingungen vorfindet.




Es wird von Minute zu Minute schöner und bleibt dann für einige Zeit so toll, dass es lange braucht, bis am Ende doch die Nacht die Oberhand gewinnt.


Da capo
Am folgenden Tag wiederholt sich die Tagesroutine. Nur dass wir diesmal von unserem Platz in den Dünen zum Strandabschnitt in Richtung Osten unterwegs sind.

Auch hier gibt es wieder unzählige kleine Dinge am Strand zu entdecken und die Farbpalette wird noch durch das leuchtende Algengrün erweitert. Ein Strandtag, so wie wir ihn lieben.



Auch danach ähnelt der Tag dem Vortag: Sonnenschein, leuchtendes Meer, Dünengras, dass sich im sanften Wind ganz entspannt wiegt. Und wir haben die Erkenntnis, dass die Iren mal Ballyheirnan, mal Ballyhiernan Bay schreiben. Rechtschreibung optional.



Reiseführer final
Und dazu kommt die Arbeit am Reiseführer. Ich will ehrlich sein: Zwischendurch habe ich ein wenig gezweifelt, ob ich die Deadline 1.5. halten kann. Zu viele Orte mussten noch beschrieben, zu viele Bilder eingepflegt werden. Aber heute komme ich dem Ziel einen Riesenschritt näher. Denn alle Basiseinträge sind jetzt erledigt. Jetzt kommt noch die Feinarbeit. Aber es wird richtig gut!
Und wie gut, dass ich Annette habe, die mich darauf hinweist, dass ich die Orte der letzten Woche noch eintragen muss. Hätte ich glatt vergessen! Auch diese Routine muss ich mir noch aneignen. Nicht nur Blogeinträge schreiben, sondern auch den Reiseführer aktualisieren.

Letzter Abend
Es wird unser letzter Abend an diesem wunderschönen Ort sein. Wir sind gespannt, ob wir den Hattrick mit drei tollen Sonnenuntergängen hintereinander schaffen. Rein fotografisch stehen die Chancen gar nicht mal so gut. Bei einem solch klaren Himmel ohne nennenswerte Wolken könnte das Ganze schnell vorbei sein.
Was wir auf jeden Fall haben, ist wunderbar warmes Abendlicht. Das ist schon mal herrlich für Portraits und lange Schatten!





Und wir sind ja hier in Donegal. Dort ist das Licht einfach besonders, selbst wenn am blauen Himmel nicht viel passiert. Die Farben des Wassers, als die Flut hereinkommt, sind unfassbar schön. Ich kann mich gar nicht entscheiden, ob mir jetzt die Blautöne oder die Strukturen und Linien der Wellen besser gefallen. Was gefällt euch besser?







Ich nutze das Licht bis zur letzten Minute aus und kehre mal wieder glücklich zum Mannimobil zurück. Dort wartet schon Stellplatznachbar Colin mit seinen zwei Cockerspanielmischlingen auf mich. Wir freuen uns beide, dass es solch schöne einsame Orte in Irland gibt, die selbst Leute aus seinem 30 Kilometer entfernten Heimatort nicht kennen. Gleichzeitig gibt er mir noch Stellplatztipps für ähnlich gute Orte.
Sein Hobby ist Astrofotografie und er sagt, dass Donegal mit seiner geringen Lichtverschmutzung hierfür geradezu ideal sei, wenn der Himmel so klar wie heute sei. Und überhaupt, vielleicht gäbe es heute Nacht auch Polarlichter zu sehen.
Ich weiß nun nicht, ob ich mich freuen oder jammern soll. Denn ich bin einfach hundemüde und schaffe es so gerade mal, noch meine Fotos des Abends zu sichten. Die Chance auf Milchstraßenfotos und Aurora lasse ich zähneknirschend, aber gähnend verstreichen. Das Bett ruft einfach zu laut nach mir. Nächstes Mal.