Es ist fast schon lächerlich, wie gut es der Wettergott mit uns hier in Irland meint. Einen solch langen Streifen Traumwetter haben wir hier wirklich noch nie erlebt.
Auch heute gibt es denn langweiligsten und schönsten Wetterbericht der Welt: von morgens bis abends strahlend blauer Himmel.

Abschied
Es gibt keine Diskussion: Heute müssen wir uns von unserem Lieblingsstrand in Donegal trennen. Der Wasservorrat ist nahezu erschöpft, Müll, Klo und Grauwasser müssen entsorgt werden und auch ein paar Grundnahrungsmittel könnten mal wieder in die Vorratskammer wandern.
Das Meer schenkt uns für den letzten Strandspaziergang noch mal besonders hübsche Wellen und wir saugen noch mal alle Eindrücke auf, die wir mit diesem Lieblingsort verbinden.
Und dann heißt es tatsächlich: zurück auf die Straße.


Der kuriose Supermarkt
Die gute Nachricht des Tages ist schon mal, dass der geflickte Reifen weiterhin tadellos hält. So können wir die herrliche Landschaft im Inland genießen, die eine Mischung aus schwedischer Schärenlandschaft und schottischer Westküste zu sein scheint. Gefällt uns sehr!

In Mickey Joe’s Country Store in Umlagh möchten wir dann unsere Vorräte auffüllen. Aber obwohl der Laden gar nicht mal so klein oder besonders schlecht sortiert ist, bekommen wir nicht alle Dinge von unserem Einkaufszettel. Irgendwie scheinen sie immer genau das Produkt, was wir gerade brauchen, nicht, oder überteuert oder von einer obskuren Marke zu haben. 200 g Kaffee für 8 € muss man wirklich wollen…
Da haben wir im winzigen Camping-Shop im schottischen Altandhu schon erfolgreicher geshoppt...
Quiet indeed
Jetzt führt uns unser Weg zurück auf die wunderbare Rosguill-Halbinsel. Dort möchten wir uns über Annettes morgigen Geburtstag einquartieren.
Wir finden den Campingplatz mit dem hübschen Namen „Quiet Moments“ wie für uns gemacht. Ein ruhiger Ort zum Genießen.
Der erste Eindruck ist dann erst mal so mittel. Grauwasser möchten wir bitte am Rand an beliebiger Stelle in die Wiese ablassen, die Toilettengebäude sind basic und die Toilettenentsorgung erfolgt über ein kurioses Edelstahlspülbecken(!), was in die Wiese eingelassen ist. Hatten wir so auch noch nicht. Dafür stimmt dann zumindest der Preis von 20 €/Nacht.
Nachdem dann alles ver- und entsorgt ist, kommt die wirklich stressige Aufgabe: Wo wollen wir stehen? Denn wir haben Prokura: „Anywhere you like!“
Also gilt es, den perfekten Platz zu finden.
Anlauf 1: Auf einer Anhöhe würden wir über die Dünen hinweg ein wenig Wasser sehen. Großes Aber: Wenn es (wie angekündigt) stürmische Böen gibt, müssten wir vielleicht die Hubstützen ablassen und würden dann komplett schräg stehen. Nicht gut.

Anlauf 2: Geschützt in den Dünen finden wir ein Plätzchen, wo schon mehrere Feuerstellen sind. Keine Aussicht, aber eben und ein wenig windgeschützt. Wir richten uns häuslich ein und genießen Kaffee, Tee und Scones unter freiem Himmel.

Dann aber hat Annette einen Geistesblitz. Ihr fällt auf, dass die zwei Autos verschwunden sind, die direkt am Strandaufgang standen. Dort ist jetzt eine ideale Lücke für das Mannimobil frei geworden. Sollen wir…? Na klar!
Anlauf 3: Wir parken noch einmal um und sind jetzt mit diesem Platz richtig happy. Alleine schon, weil das Tor zum Strandzugang so unfassbar malerisch ist!

Strand kann was
Zunächst haben wir trotzdem etwas den Blues. Wir trauern der wunderbaren Aussicht aufs Meer hinterher, die uns in den vergangenen Tagen so glücklich gemacht hat.
Es stellt sich dann aber heraus, dass auch der Strand hier durchaus etwas kann. Man muss es sich nur ein wenig erlaufen. Aber das ist, wenn man ehrlich ist, eher ein Vergnügen als eine Last. Denn der helle Sand ist so feinkörnig wie er nur sein kann, das Wasser leuchtet in grünblauen Schattierungen und das Dünengras liefert hierzu den perfekten Dreiklang.



Abendüberraschung
Nachdem wir mit Würstchen und Schweinesteaks aus der Metzgerei in Joe’s Country Store die Womo-Grillsaison eingeläutet haben, kommen wir erst in den letzten Minuten der goldenen Stunde an den Strand.

Wie gut, dass er nur ein paar Schritte(!) entfernt ist.
Während ich noch die lila schimmernden Berge im Hinterland bewundere, hat Adlerauge Annette einen schwarzen Punkt im Wasser entdeckt. Und tatsächlich: Es ist ein Seehund, der uns neugierig mustert! Immer wieder taucht er ab und dann an anderer Stelle wieder auf. Annette entwickelt eine wahre Meisterschaft darin, ihn wiederzufinden.

Aber auch das Wasser liefert wieder feine Fotomotive. Heute Abend sind es hauptsächlich rosa und blau, die dem Meer eine unwirkliche Färbung verpassen.




Und über allem schwebt am Ende dieses einmalig sanfte Licht, das es so nur im Norden zu geben scheint.

