Helwith Bridge

Lohnenswerte Umwege

Sowohl die Galerie in Oldham als auch die Yorkshire Dales erweisen sich als Volltreffer-Umwege auf dem Weg nach Schottland.

Autor
Micha
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    Solch eine ruhige Überfahrt haben wir wirklich noch nie erlebt. Wenn man nicht bisweilen aus dem Fenster aufs Meer schauen würde, könnte man meinen, in einem Hotel zu schlafen. Kein Brummen des Dieselgenerators, kein Wanken, kein Schlingern. Die Nordsee hat es gut mit uns gemeint.

    Auch das Offboarding ist entspannt. Lediglich eine Passkontrolle inklusive englischen Humors. Als der Schalterbeamte hört, dass wir erst im Herbst hier waren, kommentiert er grinsend „So I guess you came back for the warm beer then?“ und wünscht uns anschließend eine gute Zeit. Nimm dir da mal ein Beispiel, eklige Gouvernante aus Rotterdam!

    Humber Bridge

    Direkt mit unserem ersten Ziel landen wir einen kleinen Volltreffer. Wir steuern den großen Parkplatz am Humber Bridge Country Park an. Auf dem Weg kann man sich entspannt in 20 Minuten wieder an den Linksverkehr gewöhnen und ich freue mich wieder mal, wie normal es hier ist, andere Fahrzeuge vorzulassen, anstatt jede Lücke sofort zuzufahren.

    Wir erreichen den riesigen und weitestgehend leeren Parkplatz. Beim anschließenden Frühstück grinsen wir uns an: Wir sind wieder da!

    Nach dem Frühstück ist dann dringend ein Erkundungsgang nötig. Wir sind vom Country Park mehr als angenehm überrascht. Man hört zwar den Autoverkehr von der Brücke, findet aber ansonsten ein kleines Paradies vor. Komplett mit Kreidesteinbruch, Bluebells und Teich. Genau das Richtige nach der Überfahrt!

    Humber Bridge Country Park
    Humber Bridge Country Park
    Humber Bridge Country Park
    Humber Bridge Country Park
    Humber Bridge Country Park

    Die Humber Bridge ist ein wahrlich beeindruckendes Bauwerk über den Humber und verbindet über knapp 2 Kilometer(!) den Norden mit dem Süden Ostenglands.

    Während Annette sich zum Skizzieren des Bauwerks neben der kunstvoll verrosteten Verkleidung eines Pubs niederlässt, gehe ich ein wenig flussaufwärts, bis ich die riesige Brücke vollständig ins Bild bekomme.

    Humber Bridge
    Humber Bridge

    Wir notieren uns schon mal, dass wir hier unsere letzte Station machen werden, bevor wir Ende Mai die Rückreise antreten. Einen besseren Stopp vor und nach der Fähre werden wir kaum finden.

    Oldham Museum

    Unser Weg nach Schottland ist von Hull aus anders und weiter als von Newcastle aus. Wir müssen also neue Wege finden. Da bietet es sich an, dass Annette den Wunsch hat, die Galerie in Oldhamzu besuchen, da dort ihre Künstlerkollegin Sharon Davey aus ihrem Künstler-Co-Working mit anderen Kinderbuchillustratoren die Ausstellung „Once upon a time“ hat.

    Den Weg in Richtung Manchester hatte ich mir deutlich anstrengender vorgestellt. Aber wir gleiten entspannt im Verkehr mit und kommen noch vor dem großen angekündigten Regen in Oldham an.

    Die Galerie befindet sich dann in einem Gebäude, wie es auch Remscheid als „dritter Ort“ diskutiert wird. Eine Begegnungsstätte mit Bibliothek, Café, Museum und Co-Working-Spaces, wo Menschen zusammenkommen können.

    Gallery Oldham

    Die Ausstellung ist dann klein, aber fein. Vielleicht sind wir voreingenommen, aber die Bilder von Sharon begeistern uns wirklich am meisten.

    Am Ende unterhalten wir uns noch nett mit der Museumswärterin, die mit leuchtenden Augen beschreibt, wie nett die Künstler bei der Einrichtung der Ausstellung gewesen seien.

    Gallery Oldham

    Neben ihr steht ein kleines Regal mit Büchern der Künstler und sie zeigt uns die Bücher von Sharon, die dort erhältlich sind. Als ich mangels Bargeld frage, ob ich das denn mit Karte zahlen könne, lehnt sie lachend ab: Nein, nein, das sei natürlich ein Geschenk, wenn wir doch schon von so weit her kommen! Hach!

    Yorkshire Dales

    Auf meiner Planungskarte sehe ich, dass es von hier aus nicht weit in den Nationalpark der Yorkshire Dales ist. Den hatte ich mir notiert, als ich den tollen Reisebericht von Rolf und Anita dazu gelesen habe.

    Wir lassen uns vom Navi in Richtung Norden lotsen und können zusehen, wie die Straßen Stück für Stück enger, hubbeliger und kurviger werden. Das könnte hier jetzt auch schon in Schottland sein! Leider auch was das Wetter angeht: Es regnet sich immer mehr ein.

    Wir steuern den Pub in Helwith Bridgean, der sich genau nach unserem Beuteschema anhört. Nette Leute, kostenloses Parken, gemütlicher Pub.

    Wir werden freundlich empfangen, eingewiesen und man kann daher nur umso mehr den Kopf schütteln, wenn man seine Storys von anderen Womo-Touristen hört: Von Leuten, die ihren Müll hinterlassen oder neben dem Gastank(!) ein Feuerchen machen...

    Helwith Bridge
    Helwith Bridge
    Helwith Bridge
    Helwith Bridge

    Bei unserer Erkundung der Umgebung habe ich noch ein Erlebnis der besonderen Art. Als ich noch einmal losziehe, um das besondere Licht zu fotografieren, warnt mich der nette Truckfahrer nebenan „There’s a black cloud coming in. You’ll probably get wet.“ Ich schaue zum Himmel, finde die Wolke nur so mittelgrau und verspreche, dass ich mich beeile. Nach 5 Minuten kehre ich pitschnass zum Mannimobil zurück… Wann lerne ich eigentlich mal die Lektion „Immer auf die Locals hören!“?

    Helwith Bridge
    Nur die Schafe bleiben unbeeindruckt vom Regenschauer

    Pub Grub

    Abends kehren wir dann gerne im Pub ein und sind sofort sicher: Das wird gut hier. Die Atmosphäre ist heimelig, die lebhaften Gespräche lustig und die Chefin herzlich freundlich. So muss ein Pub sein!

    Das Essen, das wir dann serviert bekommen, ist keine Sterneküche, aber ehrliche ländliche Pub-Küche. Warm, macht satt und genau das, was einem versprochen wird. Nicht mehr, nicht weniger. Wobei ich mich immer frage, was der gemeine Engländer machen würde, wenn es keine Erbsen mehr gäbe. Kommt dann gar kein Grün auf den Teller?

    Helwith Bridge

    Aber spätestens jetzt wissen wir, dass wir im richtigen Reiseland angekommen sind. Gut hier!

    Helwith Bridge

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