Ich stelle überrascht fest, dass es seit unserer Einreise nach Irland nicht ein Fitzelchen geregnet hat. Rein statistisch, und noch dazu in Donegal, ziemlich unwahrscheinlich. Und noch verrückter wird der Wetterbericht für den Rest des Aprils: Keine wesentliche Wetteränderung angekündigt!
Wild Atlantic Wirrwarr
Auf dem Weg versuchen wir noch einmal eine Logik in der Beschilderung des Wild Atlantic Ways (WAW) zu finden. Heute werden wir von der Hauptstraße weggeführt, um dort dann durchs Inland zu fahren. Ohne Wild und ohne Atlantik. So recht schlau werden wir aus der Beschilderung immer noch nicht. Wir kommen auf drei Theorien:
- Man hatte hier in Donegal am Ende des Wegs einfach noch zu viele bestellte Schilder übrig, die man dann großzügig übers County verteilt hat.
- Man musste noch ein paar mehr Kilometer für die Strecke gewinnen, damit sie die längste Küstenstraße der Welt wird
- Man bekommt vielleicht von der EU zusätzliche Infrastrukturgelder für solche Touristenstrecken und man saniert damit das Wegenetz
Letzteres halte ich eigentlich für sehr plausibel…
Traumstrand mit Traumwetter
Für uns heißt das heute selbstverständlich, dass der nächste irische Traumstrand dran ist. Den Five Fingers Strand haben wir gestern schon vom Aussichtspunkt gesehen und können einen solchen Prachtstrand selbstverständlich nicht auslassen.
Wir parken das MoMo an der St. Mary’s Church, deren besonderen Friedhof wir bei der Rückkehr noch besuchen wollen.


Wagemutig ziehen wir nur T-Shirt und ein leichtes Jäckchen an. Was vorgestern noch wie Utopie klang, ist heute dringend geboten. Denn die Jacken hätte es nicht mal gebraucht und auch kürzere Hosen und leichte Schuhe wären eine gute Wahl gewesen. Es ist der erste Tag, der sich schon leicht sommerlich anfühlt.


Und mal ehrlich: Ein dermaßen toller Strand verdient doch auch so einen sommerlichen Touch, oder?


Es ist wieder mal dieses besondere Feeling auf den nordischen Stränden: Das alles „gehört“ in diesem Moment nur uns. Einfach, weil sonst niemand da ist. Außer dem einsamen irischen Pärchen, das es richtig macht: mit Shorts und er sogar oben ohne.

Friedhof mit heilenden Händen
Nachdem wir den Five Fingers Strand einmal auf und einmal ab gelaufen sind, wollen wir uns noch den Friedhof der Kirche anschauen. Denn wer möchte nicht mit so einer herrlichen Aussicht beerdigt sein?

Aber nur deswegen sind wir nicht hierher gekommen. Denn es gibt hier eine kuriose Besonderheit. Die Geistlichen der Gemeinde sind neben dem Gotteshaus beerdigt. Bei jedem ist eine nach oben erhobene Hand, ein Kelch und ein Buch in der Kopfzeile zu sehen. Lediglich bei einem dieser Grabsteine ist die Hand verkehrt herum. Aber warum?


Eine Legende besagt wohl, dass man mit einer Berührung Glück und Gesundheit bekommt. Die wahrscheinlichere Erklärung: Eine nach oben zeigende Hand symbolisiert den Weg in den Himmel. Die „verkehrte“ Hand deutet auf einen plötzlichen Tod hin. Oder wäre auch das Gegenteil von Himmel eine Erklärung? Hat da eine Gemeinde den Pastor zum Teufel gewünscht?
Traumstellplatz
Ich plädiere für eine gemütliche Kaffeepause an der hübschen Trawbreaga Bay. Annette aber mahnt zur Eile. Denn sie hat einen Platz am Pollan Strand gefunden, von dem alle schwärmen. Den wollen wir uns gerne sichern, bevor am Wochenende alle Plätze vergeben sind. Sicher ist sicher.


Lediglich auf dem letzten Kilometer wird es auf dem unbefestigten Weg noch mal spannend, ob der Alpa die Holperstrecke packt. Annette checkt zur Sicherheit noch mal die Tiefe der Pfützen, aber auch hier gibt es keinerlei Probleme.

Annettes Trüffelschwein-Riecher hat sie mal wieder nicht getrogen. Das ist wirklich ein tolles Fleckchen, auf dem wir hier gelandet sind. Auf dem Platz steht ein Schild, dass man bitte den Besitzer anrufen möge, wenn man ankommt. Was ich dann auch tue und direkt für zwei Nächte anfrage. Kein Problem!


Wir richten uns also häuslich ein, schlüpfen jetzt endgültig in Sommerklamotten und genießen ab sofort Ausblick, Entspannung und Wärme. Und freuen uns, dass wir als Erste hier waren und uns den schönsten Platz aussuchen konnten. Denn am Ende des Tages ist es mit fünf Fahrzeugen gut gefüllt.

Dieses Licht!
Abends begeben wir uns auf eine Hunderunde. Anschließend möchte ich dann alleine mit der Kamera losziehen. Zumindest ist das der Plan. Und der ist ausgesprochen dämlich. Denn natürlich sehe ich unterwegs ein tolles Motiv bei schon sehr feinem Licht und kehre zum MoMo zurück, um meine Ausrüstung zu holen.
Als ich zurückkehre, hat zwar die Flut das schöne Stein-Inselchen, welches ich eigentlich als Motiv gesehen hatte, schon überflutet. Aber das macht nichts, denn es wird auch so noch schön genug.


Ich lege mich schon mal fest. Auf dieser Reise wird es uns an spektakulären Sonnenuntergängen nicht mangeln!


